Cusanus Gymnasiums Erkelenz
Abi-Jahrbuch 1994
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Entschuldigungen '94

Kreativ muß man sein

Prolog:

In unserer heutigen Gesellschaft muß man sich für alles rechtfertigen. Das macht auch nicht halt vor der Schule, und schon gar nicht dann, wenn man zu spät zum Unterricht erscheint. Dies läßt sich leicht dadurch begründen, daß viele Lehrer ein verspätetes Eintreffen am Unterrichtsort nur allzu oft persönlich nehmen. Bestimmt wird der Schüler wohl den Unterricht zu boykottieren gewollt haben. Dementsprechend kreativ muß man sein, wenn man sich für versehentliches (?) Fehlen oder Zu-spät-Kommen entschuldigen will.

Im Laufe der Zeit hat sich so eine ganze Menge an recht interessanten Entschuldigungen angesammelt. In einem Zeitalter zunehmender Ideenlosigkeit sollen hier ein paar Perlen aus unserem Repertoire von Entschuldigungen wiedergegeben werden. Die Qualität dieser Entschuldigungen reicht vom naiven "Augen zu und durch" bis hin zu komplexen Entschuldigungsgeschichten, die teilweise einen tragischen Hintergrund besitzen. Um nicht den Rahmen dieses Buches zu sprengen, werden wir uns darauf beschränken, die Entschuldigungen als reine Zitate mit kleinen einführenden Hinweisen wiederzugeben. Der Leser möchte sich bitte selbst die tragischen Abgründe menschlichen Schicksals ausmalen, die hinter jeder der angegebenen Entschuldigungen stecken.

Abschließend möchten wir darauf hinweisen, daß die nachstehenden Entschuldigungen zum größten Teil nicht zur Nachahmung empfohlen werden können, da der Erfolg der hier genannten Ausreden leider nicht immer bekannt ist.

Einer der wohl kreativsten Schüler unserer Jahrgangsstufe war Lars Siekmeyer, der meist eine fundierte Entschuldigung für verspätetes Erscheinen liefern konnte. Einer seiner Einfälle war die Entschuldigung "Der Zug hatte ‘nen Platten!". Bis heute rätselt der Fachlehrer, wie ein solcher Vorfall möglich sein kann. Das bedarf einer gründlichen Untersuchung ... Ebenso ist die Wahrheit seiner Entschuldigung "Der Wecker stand auf Sonntag!" bis heute nicht vollkommen geklärt. Schon hier sieht der versierte Leser, wie schwer es ist, einen Lehrer durch eine intelligente Apologie zu besänftigen oder gar zu überzeugen.

Ein netter Vorwand ist auch stets die nicht beeinflußbare Technik. So entschuldigte sich Volker Eidems mit dem Argument "Bei uns war Stromausfall, die Wecker haben nicht geklingelt!". Der Redaktion liegen leider bis heute keine Unterlagen vor, ob der entsprechende Fachlehrer daraufhin ein Protestschreiben an das zuständige Elektrizitätswerk gerichtet hat.

Neue Ideen brachte aber auch die zunehmende Motorisierung einiger Schüler mit sich. Auch hier finden sich bei näherem Hinsehen eine ganze Menge Möglichkeiten, nicht zu zeitig zum Unterricht zu erscheinen. Das hatte wohl auch David Fröde erkannt, der seine Abwesenheit bei Unterrichtsbeginn mit dem Ausspruch "Mir ist Öl in die Kupplung gelaufen" begründete. Gleichfalls entstehen im Zuge dieser Motorisierung weitere externe Komplikationen, mit denen ein Schüler rechnen muß, was einige Lehrer schamlos ignorierten. Die Darstellung von Thorsten Risch, es hätte Verkehrsprobleme auf der Strecke von Gerderath nach Erkelenz gegeben, wurde von seiner Geschichtslehrerin nicht vorbehaltlos akzeptiert. Unter Anspielung auf Thorstens Freundin kommentierte Herr Janschewski dies sogar mit den Worten "Seit wann finden Verkehrsprobleme im Bett statt?".

Komplizierter werden Entschuldigungen erst dann, wenn die eigene Familie ins Spiel kommt. Solche Entschuldigungen sind vor allem deshalb so gefürchtet, da sie hemmungslos das Familienleben der Schüler outen. Dies mußte auch Elvira Kolb erfahren, die als Vorwand für zu spätes Erscheinen zum Unterricht das Argument "Mein Vater hat mich mitgenommen!" hervorbrachte. Gleiche Erfahrungen machte auch Hedwig Thelen. "Ich hab’ meine Schuhe nicht gefunden!" entschuldigte sie sich. Hier muß diese Entschuldigung aber akzeptiert werden. Schließlich war Hedwig zuvor eine Woche krank gewesen und hatte ihre Schuhe entsprechend lange nicht mehr gesehen. Zur Sicherheit hatte ihre Mutter zudem die Schuhe ins Bad gestellt. Und wer vermutet da auch schon seine Schuhe ...

Etwas einfacher hingegen haben es Schüler, die durch Verschulden von Lehrern zu spät zu ihrem Unterricht kommen. Ein Beispiel soll hier Julia Dennisen sein, die oftmals von Frau Jansen, Physiklehrerin unserer Schule, mit zur Schule genommen wurde. Am ersten Schultag des Halbjahres 13/2 kam Julia erst zur zweiten Stunde Latein bei Herrn Wiertz. Auf die Frage, wieso sie denn jetzt erst komme, antwortete Julia wahrheitsgetreu: "Frau Jansen nimmt mich sonst immer mit. Heute morgen hat sie aber komisch geschaut, als ich auf sie wartete. Sie meinte, wir hätten erst zur fünften Stunde Unterricht. Also bin ich erst gar nicht mit ihr gefahren." Glücklicherweise (?) bemerkte Frau Jansen ihren Fehler, als in der Schule mehr Schüler herumliefen als sie erwartet hatte. Ein kurzes Telefonat stellte Julia dann vor die deprimierende Tatsache, daß sie doch so schnell wie möglich zum Unterricht erscheinen müsse.

Wenig erfolgversprechend sind die aufrichtigen aber meist auch plumpen Entschuldigungen, die manche Schüler zur Rechtfertigung hervorbringen. Als Beispiel sei hier die Aussage von Andreas Klösges genannt: "Ich habe gebummelt!". Das gibt zwar Pluspunkt in puncto Ehrlichkeit, zur Sympathie des Lehrers führen solche Statements allerdings nur recht selten. Und Ehrlichkeit wird nebenbei bemerkt meist nicht auf dem Zeugnis aufgeführt. Sollte man vielleicht doch ändern ...

Das andere Extrem ist allerdings auch nicht gerade ratsam: So entschuldigte sich ein Erkelenzer Schüler, der zu spät zu einer Vertretungsstunde mit Herrn Lambertz kam, durch die Aussage "Ich komme aus Süsterseel! Da gibt es keine früheren Busse!". Diese Person, die namentlich nicht bekannt gegeben werden soll, hatte Glück, daß Herr Lambertz nicht über seine tatsächliche Herkunft Bescheid wußte.

Aber nicht nur Schüler argumentieren mit teilweise skrupelloser Offenheit. Auch Lehrer kennen in dieser Beziehung keine Gnade. Sie haben lediglich noch den Vorteil, daß niemand etwas gegen diese Offenheit unternimmt. So zum Beispiel auch nicht gegen die Entschuldigung von Herrn Bachmann: "Scheiße, Leute! Ich hab’ ein bißchen verpennt!"

Es gäbe sicherlich noch eine ganze Menge anderer Beispiele, prägnante Formulierungen für Entschuldigungen zu finden; doch wir wollen die Kreativität der Leser nicht beschneiden, eigene Geistesblitze zu bekommen. Vielmehr dient diese Darstellung nur zur reinen Inspiration.

Nicht aufnehmen konnten wir leider die zahllosen Entschuldigungen, die einige Schüler für versäumte Stunden an den Mann bringen wollten. Für die Kreativität, die auf diesem Sektor entstanden ist, sei nur das Beispiel Thorsten Risch genannt. Einer seiner Beurlaubungsanträge wurde mit dem Satz "Ich muß wegen Entziehung von Zähnen zum Dentisten" gerechtfertigt.

 
(Eric Horn)