Let’s go "West"
Bericht über einen vorbildlichen Leistungskurs
Nachdem wir zu Beginn der 11/2 den sogenannten "Tutorgruppenschock"
überstanden hatten, folgte die Präsentation des zweiten Leistungskurses.
Neben den Schülern des Tutorkurses Deck hatten es noch weitere 15
hochmotivierte Obersekundaner gewagt, das Fach Sozialwissenschaften als
Leistungskurs zu wählen. Es ist naheliegend, daß Leute, die
dieses "Laberfach" als Leistungskurs wählen, vor lauter Motivation,
Eifer und Wißbegierde nahezu umkommen müssen. So hatte diese
hochkarätige Truppe, die aus den kontroversesten Typen unserer Stufe
bestand, die Ehre, von Herrn Rolf Bachmann bis hinter die Ziellinie - dem
Abitur - geführt zu werden. Dabei stellte sich heraus, daß dieser
Kurs gewisse Kuriositäten beinhaltete: Zum einen bestand er nur aus
männlichen Wesen. Ein eher ungewöhnlicher Tatbestand, da der
Anteil der Schülerinnen in unserer Stufe beachtlich hoch ist. So wurden
wir von Herrn Bachmann liebevoll "Knallköppe" genannt. Herr Pelzer
vom gegenüberliegenden pädagogischen Revier bezeichnete uns des
öfteren als "Jodelverein". Ob dies eine Anspielung auf eine eventuell
denkbare, kursinterne Homosexualität sein sollte, bleibt nicht auszuschließen.
Zum anderen ist anzumerken, daß dieser Kurs zur Hälfte aus irgendwelchen
Proleten und Bauern bzw. aus Mitläufern der autonomen Front bestand,
die zu der Zeit begann, in unserer einzigartigen Stufe Fuß zu fassen.
Ein paar normale Typen waren unter diesem Sauhaufen zwar enthalten, doch
prägten diese das äußere Erscheinungsbild des Kurses im
weitesten Sinne nicht.
Das erste Halbjahr verlief recht harmlos. Kritisch wurde es erst mit
Beginn der Unterprima (für die, die es bis jetzt noch nicht begriffen
haben: Jahrgangsstufe 12!): Die Autonomen wurden immer autonomer und die
Prolls immer prolliger. Hinzu kam, daß der gesammte, wiedervereinigte
Staat etwas rechter wurde. Drei neue, hochmotivierte "Mannsbilder" kamen
dazu. Man hoffte zunächst, daß es sich um ein paar Grazien handelte,
die vielleicht die monotone, männliche Einöde des Kurses etwas
auffrischen würden. Doch die Enttäuschung war groß, als
man erfuhr, daß es sich nur um Typen wie Kai E., Afschin F. und Robert
W. handelte. Nun war die Maschine startklar. Wir flogen in Richtung Abitur.
Man konnte eine sehr treffende Bilanz des Kurses erstellen: Wir waren
18 Schüler von denen acht überzeugte Raucher waren. Das macht
etwa 45% aus. Vier Mann hatten lange Haare und bekannten sich zur alternativen
Szene (ca. 23%). Weitere sieben ließen sich ideal in die Kategorie
"Bauern und Proleten" einordnen (ca. 39%). Der klägliche Rest bestand
aus extrem verrückten bis anormalen Typen Sowie aus überwiegend
durchschnittlichen Mitgliedern unserer Gesellschaft. Der Ausländeranteil
des Kurses lag bei etwa 11%.
Somit kreierten wir eine gemütliche und angenehme Atmosphäre,
die vielleicht für Mitglieder weiblichen Geschlechts etwas anstößig
gewesen wäre. Wir waren also froh, doch nur ein reiner Jungenkurs
(ähnlich LK Informatik bei Herrn Jogmin) gewesen zu sein. Wegen diesem
Umstand verfolgte uns ein schlechter Ruf - ähnlich LK Erdkunde bei
Herrn Bosau. Wir waren deshalb vor der allgemeinen Klischeebildung nicht
geschützt. Doch wir etablierten uns kräftig mit blendenden Klausurergebnissen,
die im Durchschnitt nicht unter 2.3 lagen. Wer daher eine 2- hatte mußte
kläglicherweise mit dem Frust leben, sich unter dem Durchschnitt zu
befinden. Ein fataler Schock für einige von uns. Doch Herr Bachmann
war stets stolz auf uns, da wir besser waren als die Konkurrenz. Bei Herrn
Deck nämlich bewegten sich die besten Klausurergebnisse nur in einem
Bereich von 3+ bis 3.
Dieser Umstand ist eher verwunderlich, wenn man die Atmosphäre
unserer Klausuren näher betrachtet. Besonders in der OI war dies eskalös.
Einmal kam Herr Bachmann über eine halbe Stunde zu spät zu einer
sechsstündigen Leistungskurs-Klausur und entschuldigte sich locker
mit "Scheiße, Leute! Ich hab’ ein bißchen verpennt!" Doch da
wir uns vorher kräftig ausgetobt hatten, während die Nachbarkurse
schon fleißig schrieben, konnte nichts schief gehen. Einige hatten
sich bereits kräftig eingeheizt bzw. vorgeraucht. Während der
Klausur herrschte oft allgemeine Unruhe und Unkonzentration, da viele in
Lach- und Schreikrämpfe ausbrechen mußten. Auslöser dafür
waren entweder die sinnlosen Fragen von Norbert W., die Herrn Bachmann
oftmals sogar provozierten, oder aber dicke Hammer, die regelrecht auf
uns einschlugen: Zum Beispiel fragte Sven J., nachdem wir das Thema Oligarchien
im Zusammenhang mit dem Nord-Süd-Konflikt die letzten Doppelstunden
vor der Klausur ausführlich besprochen hatten, ganz locker in der
vierten Stunde der Klausur: "Was sind Oligarchien?" Die Folgereaktion war
klar. Oder Volker O., der den erlernten Stoff des Themas Ökonomie
während der Klausur praktisch anwendete, indem er Herrn Bachmann fragte,
ob er zu dem Deal bereit wäre, zwei Mandarinen gegen eine Tasse Kaffee
einzutauschen. Besonders kräftig unterstützt wurden die häufigen
Lacher durch Afschin F., der im tiefsten "Dr Pepper-Rausch" des öfteren
seine extrem durchtrainierten Lachmuskeln zum Trotze seiner Kurskameraden
nicht zurückhalten konnte.
Mehrere dutzend Male wurde die Konzentration auch durch die häufigen
Rauchpausen gestört. Dazu muß erwähnt werden, daß
die Rauchpausen zu den beliebtesten Minuten unserer gemeinsamen Zeit gehörten.
Denn Rauchen war das Motto unseres Kurses (siehe Titel)! Sie waren im wahrsten
Sinne des Wortes der Mittelpunkt einer jeden Doppelstunde. Die bereits
erwähnten 45% begaben sich auf den O-Hof, um ihre Sucht für einige
Zeit zu befriedigen, während sich die anderen entweder mit sich selbst
beschäftigten, mit Herrn Pelzer vom benachbarten Pädagogik-Leistungskurs
ablachten oder die Schönheiten und Nettheiten sowie die Selfkant-Tussen
des anliegenden Päda-Kurses anmachten und verarschten bzw. beleidigten
(An dieser Stelle möchten wir einen netten Gruß nach Saeffelen,
das im tiefsten Dschung..., äh ... Selfkant liegt, richten!). Es war
stets ein interessantes Gefühl, nach 45 Minuten Sowi mal wieder ein
weibliches Wesen zu Gesicht zu bekommen. Einmal endete eine Rauchpause
beinahe in einem Desaster: Plötzlich rauchte es aus dem Papierkorb
im Kursraum, da jemand wohl äußerst leichtsinnig gehandelt
haben mußte. Doch Herr Bachmann löschte den Brandherd
souverän, und der Unterricht konnte weitergehen.
Nicht nur in den Klausuren, sondern auch im Unterricht hatten wir viel
zu lachen. Das lag häufiger daran, daß Herr Bachmann als Meister
der Polemik den Unterrichtsstoff immer sehr nahebringend mit treffenden
Beispielen erklärte. Worte wie "Scheiße" und "Kacke" kamen so
oft vor, daß sie von den meisten schon nicht mehr als lustig oder
gar kraß empfunden wurden. Sie gehörten einfach zum Standard-Vokabular.
Den Umstand, daß Millionäre unmöglich ihr gesamtes Einkommen
für den bloßen Konsum ausgeben können, erklärte Herr
Bachmann so: "Die Multis können doch nicht soviele Steaks und Koteletts
fressen, wie sie kotzen können!" Sein Unwohlbefinden gegenüber
der Gesundheitspolitik der Regierung erklärte er derart: "Wenn das
so weitergeht und der Krebskranke ein paar tausend Mark für seine
Behandlung latzen muß, dann wird er sich wohl überlegen müssen,
ob er krebskrank bleiben will oder nicht!"
Obwohl Herr Bachmann keineswegs politisch konservativ ist, ist er auch
kein fanatischer Linker bzw. Tierschützer, da er einmal bewies, daß
die Konzentration seiner Schüler durchaus wichtiger ist als das Leben
einer Wespe, die er mit viel Geschick mit dem Kursheft auf einer Fensterscheibe
erlegte. Die Folge war, daß nun für die nächsten zwei bis
drei Monate die verkrusteten Reste einer Wespe an jenem Fenster eines Kursraumes
unserer Schule klebten. Dies zeigte uns, wie selten das CGE die Fenster
putzen läßt.
Doch auch Herr Bachmann konnte nicht immer lustig sein. Wie jeder Mensch
hatte auch er ab und zu mal schlechte Laune. Dies bekamen Norbert W. und
Okan C. zu spüren, als sie Herrn Bachmann etwas heftig auf der Straße
begrüßt hatten. Herr Bachmann tags darauf in einem privaten
Gespräch: "Ein lockerer Umgangston im Unterricht macht mich nicht
zu Eurem Kumpel, der sich auf dem Bürgersteig anpöbeln läßt!
Und jetzt raus!"
Doch lachen konnten wir nicht nur über Herrn Bachmann, sondern
auch über uns selbst. Zum Beispiel über Norbert W., der einmal
verwirrt aufzeigte und mit "Äh ... ich weiß nicht!" antwortete.
Oder Ingo C., der vor der Tafel an den einfachsten ökonomischen Diagrammen
abkackte (Herr Bachmann dazu: "Wenn Du das jetzt nicht richtig machst,
haue ich Dir in die Fresse!"). Symbolisch für unseren Kurs, der von
einigen als »die negative Wurzel des Physik-Leistungskurses«
bezeichnet wurde, war die Antwort von Knippen (Daniel K.), die er gab,
als Herr Bachmann sich über unsere Zukunftspläne informieren
wollte: "Nachher spielt Borussia, und heut’ abend ist Pascha-Fete!" Ein
erschreckendes Zukunftsbild, wenn man bedenkt, daß Knippen zwischen
1+ und 1 steht, was Sowieso eine noch nie dagewesene Provokation für
die Schüler des Bachmann-Leistungskurses darstellte und Haßgefühle
auslöste. Doch als Daniel in einer Stunde weniger als sonst mitarbeitete
bestrafte ihn Herr Bachmann indem er sagte: "Eh, Daniel, Du warst heute
Scheiße! Und zur Strafe tu’ mir mal ‘ne Kippe!". Strafen bzw. Protokollen
mußten sich auch diejenigen unterziehen, die unbegründet zu
spät kamen. So zum Beispiel Lars S., der eines Montags gegen 10 Uhr
mitten in unsere Doppelstunde hereinplatzte und sich verschlafen entschuldigte
mit: "‘Tschuldigung, der Wecker stand noch auf Sonntag!"
Die Höhepunkte unserer gemeinsamen Zeit waren eine Exkursion, ein
Universitätsbesuch in Köln und die zweiwöchige Vertretung
mit Herrn Lambertz. Die Exkursion ging mit dem Fahrrad zum Hariksee, wo
eine harmlose Bootsfahrt in einer grausamen Wasserschlacht endete. Die
Folge war, daß alle durchnäßt waren und drei Mann ertränkt
wurden (Robert W., Sven J. [beim Pissen über die Reling wurde er ins
Wasser gestoßen] und Daniel K.). Herr Bachmann, der zu seinem Schutze
ein flottes Einmann-Kanu gemietet hatte, war vor unserer klugen Strategie
nicht sicher: Mit einer Flotte von vier Booten umkreisten wir ihn, welches
das Ende seines "trockenen Daseins" bedeutete. Doch Herr Bachmann
war für einen solchen Spaß immer zu haben. Bis auf die Knochen
durchnäßt fuhren wir dann zurück nach Hause. Köln
verlief relativ harmlos. Nach dem kurzen Uni-Besuch folgte ein mittleres
Mittagessen bei Burger King und dann ein längerer Aufenthalt im "Früh".
Herr Lambertz hatte die Ehre, unseren glorreichen Kurs eine Zeit lang
zu vertreten als Herr Bachmann sich im Krankenhaus einer operativen Behandlung
unterziehen mußte. Nun wurden wir zum ersten Mal zu einem Leistungskurs
ohne Leistung, was aber den ruhigen Herrn Lambertz nicht aus der Ruhe bringen
konnte. Wir verbrachten die meiste Zeit entweder mit wiederholten Kurssprecherwahlen,
Kuchenessen, Skatrunden und Verhandlungen mit Herrn Lambertz, ob er Hausaufgaben
aufgeben solle oder nicht. Sobald dieses Stichwort aus seinem Munde fiel
heulte der ganze Kurs: "Herr Laaaambeeertz!" Zu-spät-Kommer entschuldigten
sich mit kreativen Ausreden wie: "Ich komm’ aus Süsterseel. Da gibt’s
keinen früheren Bus!"
Natürlich haben wir Herrn Bachmann im Krankenhaus besucht. Als
wir jedoch eintrafen, erfuhren wir, daß er bereits schon wieder entlassen
worden war, und so besuchten wir ihn in seiner Wohnung in Erkelenz. Er
freute sich sehr über unseren Besuch und über das mitgebrachte
Geschenk (ein Bildband des berühmten Comics "Das kleine Arschloch"),
so daß er sagte: "Kommt, Leute. Die Kiste Bier steht auf dem Balkon!"
Bei seinem zweiten Krankenhausaufenthalt ein Jahr später gönnte
man uns keine Vertretung (Herr Lambertz hatte wohl keine Lust mehr auf
uns!), worauf wir eine vierwöchige, sehr erholsame Ruhezeit durchlebten.
Zum Schluß bleibt zu sagen, daß wir in den letzten gemeinsamen
Jahren eine unbeschreiblich göttliche Zeit zusammen hatten, an die
wir uns immer (vorausgesetzt wir überleben das Abitur!) gerne zurückerinnern
werden. Dafür danken wir allen Mitgliedern jenes einmaligen und vorbildlichen
Kurses, und natürlich auch Herrn Bachmann selbst.
Die 18 weisen Sowiker des Bachmann-Leistungskurses waren:
-
Michael Bocks (Sl)
-
Martin Brand (Be)1
-
Ingo Caron (Sl)
-
Okan Cinkilic (Jn)
-
Kai Eidams (Hd)1
-
Afschin Fachr (Cb)
-
Sven Jansen (Boi)1
-
Sascha Kaufmann (Mue)1+
-
Daniel Knippertz (Kn)1
-
Rex-Duncan Kulessa (Jn) 1+
-
Dirk Moll (Cb)1
-
Jörg Nießen (Jn)
-
Mark Nießen (Jn)
-
Volker Oehmke (Sl)
-
Lars Siekmeyer (Sl)1
-
Andre Theißen (Jn)
-
Robert Will (Mr)1
-
Norbert Windeln (Jn)
1: Raucher in unserem Kurs (die unteren 45!)
+: Leider nicht mehr bei unserem gemeinsamen Ende mit dabei
(Afschin Fachr/Norbert Windeln, Robert Will)