Linguae Latinae cum Franzmanno studemus
Es begann zu Beginn des Schulhalbjahres 11/2 im Jahre 1991. .. .
Nachdem wir vor Beginn der 1. Lateinstunde im LK den uns zugewiesenen
Raum aufgesucht hatten, harrten wir der Person, die jeden Augenblick durch
die Tür kommen würde um uns fortan zu unterrichten. Um uns bis
zu seiner Ankunft etwas die Zeit zu vertreiben, schlossen wir erst einmal
Bekanntschaft miteinander. Wir, wer war das überhaupt? Wer war überhaupt
so "behindert", Latein zu wählen, und dann auch noch als Leistungskurs?
Unser Kurs bestand zu Anfang aus einem jämmerlichen Häufchen
von sechs Schülern, wovon uns bis zum Abitur bedauerlicherweise zwei
Schüler noch verlassen sollten. Zum Latein-LK zählten: Dirk Claßen-Houben,
Dirk Rütten, Sandra Schmid, Ingo Treder, Anke Vogt sowie - last but
not least - Michaela Weihs.
Seit dieser ersten Stunde herrschte zwischen uns eigentlich Freundschaft.
Doch plötzlich - ecce! - betrat er den Raum: Horst Franzmann. Nach
einer allgemeinen Vorstellung beider Seiten begann der lang ersehnte Unterricht.
Endlich! Übrigens muß man zum Verhältnis zwischen Schüler
und Lehrer sagen, daß er, also Franzmann, ein offenes Ohr und Verständnis
für unsere Probleme gehabt hat. Er stand uns durch sein Wissen und
seine Erfahrung mit Rat und Tat zur Seite. Es herrschte ein freundschaftliches
und humorvolles Verhältnis zwischen beiden Seiten, auf das ich im
Laufe meines Berichtes noch einmal kurz zu sprechen kommen werde. An dieser
Stelle möchten wir ihm für seine Bemühungen herzlich danken!
Die erste Unterrichtsstunde in diesem LK war ziemlich schnell vergangen,
da sich Herr Franzmann eine Viertelstunde Zeit gelassen hatte, ehe er zu
den Möchtegern-Lateinern in den Unterricht kam. Nebenbei bemerkt,
die gerade erwähnte Verspätung war keineswegs eine Ausnahme,
im Gegenteil. Manchmal dauerte es sogar noch länger. Angesichts der
Tatsache, daß Herr Franzmann einer der stellvertretenden Direktoren
unseres so heiß geliebten Gymnasiums ist, kann man hierfür gelegentlich
(!) Verständnis haben.
Wenn ihn etwas aufgeregt hatte, übte er offen Kritik. Da flog gelegentlich
auch das ein oder andere unfeine Wort. Bei Wut war dann auch im Unterricht
hin und wieder nicht zu genießen. Der Unterricht an sich war zunächst
geprägt durch scheinbar endlose Grammatikübungen. An dieser Stelle
sollen besonders Satzanalysen genannt werden, mit denen er uns nervte.
Die ganzen Prädikatsnomen, Akkusativattribute, ACI widerten uns langsam
an. Dennoch hatte dieser Drill seine gewünschte Wirkung nicht verfehlt.
Dies sollte sich bei der Lektüre von Caesars "De bello gallico" und
Ciceros "De re publica" später zeigen. Vielleicht sollte man auch
noch bemerken, daß er unermüdlich versuchte, uns antike Geschichte
beizubringen. Dies dürfte ihm bedauerlicherweise nicht immer gelungen
sein.
Außerdem fehlte es ihm nicht an Humor. Insbesondere freitags in
der siebten Stunde, wenn alle Beteiligten schon halbwegs im Wochenende
waren, wurde mehr herumgealbert als Unterricht gemacht. Franzmann ließ
sich meisten bereitwillig vom Spaßen anstecken und trug selber zur
allgemeinen Belustigung bei. So z. B. mit folgenden Sprüchen: "Des
Bieres kund und eingedenk, soff ich mich mächtig voll." Wie man sieht,
erzählte er manches Mal auch aus seiner eigenen Erfahrung. So fiel
ihm beim Stichwort "Tyrann" folgendes ein: "Vielleicht hat man ja einen
zu Hause." Da wir den armen Kerl nicht ganz outen wollen, soll dieses Zitat
genügen, um sein Privatleben zu kennzeichnen. Bei einer Geschichte
mit einem römischen Macho ertönte dieses Verschen: "So was Dummes,
so was Dummes, vor der Ehe schon ein Junges." bzw.: "Es sprach das Kanarienweibchen:
»Er kann zwar nicht gut trillern, aber vielleicht hat er ja andere
Qualitäten.«"
Apropos Unterricht: Da Herr Franzmann relativ leicht vom Unterrichtsstoff
abzulenken ist, wurde diese Tatsache von uns häufig schamlos ausgenutzt.
Absichtlich wurden da Fragen gestellt, die ihn vom Stoff ablenken sollten.
Deshalb diskutierten wir schon einmal über alles andere als über
Caesars Schlachten in Gallien. Es wäre wohl noch interessant zu bemerken,
daß in unserem Kurs gelegentlich wahre "Freßorgien" mit römischem
Touch veranstaltet wurden. Beispielsweise kam es vor, daß jeder von
uns Kuchen und Getränke mitbrachte. Und dann wurde gefuttert. So manches
Mal brachte Herr Franzmann auch "selbstgebackene" Teilchen mit, die in
neuem Packpapier der Bäckerei Voß eingepackt waren.
So langsam kamen dann die Leistungskursklausuren in Latein. Jedesmal
hofften wir, daß Herr Franzmann eine nicht zu schwere Klausur stellen
würde. Nach der ersten Klausur zeigte sich jedoch, daß diese
Panik größtenteils unbegründet war, was nicht heißen
soll, daß seine Klausuren einfach sind. Nachdem die Klausuraufgaben
ausgeteilt waren, half er uns jedes Mal auf Bitten hin beim Lösen
der Aufgaben. Ferner gab er schon nützliche Tips beim Erläutern
der Aufgaben. Diese Prozeduren sollten sich bis zum Abitur bei jeder Klausur
wiederholen.
Dann stand irgendwann in der 12 ein Tagesausflug mit Franzmann nach
Köln auf dem Plan. Begleitet von Herrn Franzmanns Tutorkurs besuchten
wir natürlich - wie sollte es auch anders sein - die Sehenswürdigkeiten
der Stadt: Den Kölner Dom und das Römisch-Germanische-Museum,
der offizielle Anlaß unserer Tour. Dort ließ es sich der Fachmann
in Sachen Antike nicht nehmen, uns die Kultur der alten Römer ein
bißchen näher zu bringen. In der Altstadt angekommen mußten
wir ihn nicht lange bitten um in einem der Lokale "eine" Runde zu geben.
Allerdings zu einem echt römischen Gelage reichte es nicht ganz, denn
es waren nicht genügend weibliche Wesen anwesend. Der Nachmittag
war zu unseren freien Verfügung. Ich kann nur sagen, alle Taschen
waren voll, alle Portemonnaies leer.
Aber wir wollen Franzmann mit seiner humorvollen Art ja nicht in den
Himmel loben. Ab und an zeigt er seine allzu menschlichen Schwächen.
So ließ die Unterrichtsvorbereitung gelegentlich sehr zu wünschen
übrig. Die Texte waren nich rechtzeitig kopiert worden, Karten mußten
an Schnürsenkeln aufgehängt werden, weil kein Kartenständer
parat war. Es kam auch vor, daß Franzmann Fragen unsererseits völlig
mißverstand, so daß wir aneinander vorbeiredeten. Dies verursachte
Wutausbrüche der Schülerinnen und Schüler während der
Pausen. Dennoch kann ich Sie beruhigen, Herr Franzmann: Das waren eher
die Ausnahmen. Zu bemänglen wäre schließlich die Ungeduld,
die er an den Tag legt, wenn wir Fragen beantworten sollten. Dies hat uns
hin und wieder doch geärgert.
Gleichwohl haben Sie es geschafft, Herr Franzmann, daß wir die
Wahl eines Lateinleistungskurses kaum bereut haben. Auch möchten wir
Ihnen für alle Ihre Bemühungen danken. Wir haben mit Ihnen eine
unvergeßliche Zeit verlebt.
Ave!
(Ingo Treder)