Cusanus Gymnasiums Erkelenz
Abi-Jahrbuch 1994
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Leistungskurs Latein bei Herrn Franzmann

Linguae Latinae cum Franzmanno studemus

Es begann zu Beginn des Schulhalbjahres 11/2 im Jahre 1991. .. .

Nachdem wir vor Beginn der 1. Lateinstunde im LK den uns zugewiesenen Raum aufgesucht hatten, harrten wir der Person, die jeden Augenblick durch die Tür kommen würde um uns fortan zu unterrichten. Um uns bis zu seiner Ankunft etwas die Zeit zu vertreiben, schlossen wir erst einmal Bekanntschaft miteinander. Wir, wer war das überhaupt? Wer war überhaupt so "behindert", Latein zu wählen, und dann auch noch als Leistungskurs? Unser Kurs bestand zu Anfang aus einem jämmerlichen Häufchen von sechs Schülern, wovon uns bis zum Abitur bedauerlicherweise zwei Schüler noch verlassen sollten. Zum Latein-LK zählten: Dirk Claßen-Houben, Dirk Rütten, Sandra Schmid, Ingo Treder, Anke Vogt sowie - last but not least - Michaela Weihs.

Seit dieser ersten Stunde herrschte zwischen uns eigentlich Freundschaft. Doch plötzlich - ecce! - betrat er den Raum: Horst Franzmann. Nach einer allgemeinen Vorstellung beider Seiten begann der lang ersehnte Unterricht. Endlich! Übrigens muß man zum Verhältnis zwischen Schüler und Lehrer sagen, daß er, also Franzmann, ein offenes Ohr und Verständnis für unsere Probleme gehabt hat. Er stand uns durch sein Wissen und seine Erfahrung mit Rat und Tat zur Seite. Es herrschte ein freundschaftliches und humorvolles Verhältnis zwischen beiden Seiten, auf das ich im Laufe meines Berichtes noch einmal kurz zu sprechen kommen werde. An dieser Stelle möchten wir ihm für seine Bemühungen herzlich danken!

Die erste Unterrichtsstunde in diesem LK war ziemlich schnell vergangen, da sich Herr Franzmann eine Viertelstunde Zeit gelassen hatte, ehe er zu den Möchtegern-Lateinern in den Unterricht kam. Nebenbei bemerkt, die gerade erwähnte Verspätung war keineswegs eine Ausnahme, im Gegenteil. Manchmal dauerte es sogar noch länger. Angesichts der Tatsache, daß Herr Franzmann einer der stellvertretenden Direktoren unseres so heiß geliebten Gymnasiums ist, kann man hierfür gelegentlich (!) Verständnis haben.

Wenn ihn etwas aufgeregt hatte, übte er offen Kritik. Da flog gelegentlich auch das ein oder andere unfeine Wort. Bei Wut war dann auch im Unterricht hin und wieder nicht zu genießen. Der Unterricht an sich war zunächst geprägt durch scheinbar endlose Grammatikübungen. An dieser Stelle sollen besonders Satzanalysen genannt werden, mit denen er uns nervte. Die ganzen Prädikatsnomen, Akkusativattribute, ACI widerten uns langsam an. Dennoch hatte dieser Drill seine gewünschte Wirkung nicht verfehlt. Dies sollte sich bei der Lektüre von Caesars "De bello gallico" und Ciceros "De re publica" später zeigen. Vielleicht sollte man auch noch bemerken, daß er unermüdlich versuchte, uns antike Geschichte beizubringen. Dies dürfte ihm bedauerlicherweise nicht immer gelungen sein.

Außerdem fehlte es ihm nicht an Humor. Insbesondere freitags in der siebten Stunde, wenn alle Beteiligten schon halbwegs im Wochenende waren, wurde mehr herumgealbert als Unterricht gemacht. Franzmann ließ sich meisten bereitwillig vom Spaßen anstecken und trug selber zur allgemeinen Belustigung bei. So z. B. mit folgenden Sprüchen: "Des Bieres kund und eingedenk, soff ich mich mächtig voll." Wie man sieht, erzählte er manches Mal auch aus seiner eigenen Erfahrung. So fiel ihm beim Stichwort "Tyrann" folgendes ein: "Vielleicht hat man ja einen zu Hause." Da wir den armen Kerl nicht ganz outen wollen, soll dieses Zitat genügen, um sein Privatleben zu kennzeichnen. Bei einer Geschichte mit einem römischen Macho ertönte dieses Verschen: "So was Dummes, so was Dummes, vor der Ehe schon ein Junges." bzw.: "Es sprach das Kanarienweibchen: »Er kann zwar nicht gut trillern, aber vielleicht hat er ja andere Qualitäten.«"

Apropos Unterricht: Da Herr Franzmann relativ leicht vom Unterrichtsstoff abzulenken ist, wurde diese Tatsache von uns häufig schamlos ausgenutzt. Absichtlich wurden da Fragen gestellt, die ihn vom Stoff ablenken sollten. Deshalb diskutierten wir schon einmal über alles andere als über Caesars Schlachten in Gallien. Es wäre wohl noch interessant zu bemerken, daß in unserem Kurs gelegentlich wahre "Freßorgien" mit römischem Touch veranstaltet wurden. Beispielsweise kam es vor, daß jeder von uns Kuchen und Getränke mitbrachte. Und dann wurde gefuttert. So manches Mal brachte Herr Franzmann auch "selbstgebackene" Teilchen mit, die in neuem Packpapier der Bäckerei Voß eingepackt waren.

So langsam kamen dann die Leistungskursklausuren in Latein. Jedesmal hofften wir, daß Herr Franzmann eine nicht zu schwere Klausur stellen würde. Nach der ersten Klausur zeigte sich jedoch, daß diese Panik größtenteils unbegründet war, was nicht heißen soll, daß seine Klausuren einfach sind. Nachdem die Klausuraufgaben ausgeteilt waren, half er uns jedes Mal auf Bitten hin beim Lösen der Aufgaben. Ferner gab er schon nützliche Tips beim Erläutern der Aufgaben. Diese Prozeduren sollten sich bis zum Abitur bei jeder Klausur wiederholen.

Dann stand irgendwann in der 12 ein Tagesausflug mit Franzmann nach Köln auf dem Plan. Begleitet von Herrn Franzmanns Tutorkurs besuchten wir natürlich - wie sollte es auch anders sein - die Sehenswürdigkeiten der Stadt: Den Kölner Dom und das Römisch-Germanische-Museum, der offizielle Anlaß unserer Tour. Dort ließ es sich der Fachmann in Sachen Antike nicht nehmen, uns die Kultur der alten Römer ein bißchen näher zu bringen. In der Altstadt angekommen mußten wir ihn nicht lange bitten um in einem der Lokale "eine" Runde zu geben. Allerdings zu einem echt römischen Gelage reichte es nicht ganz, denn es waren nicht genügend weibliche Wesen anwesend.  Der Nachmittag war zu unseren freien Verfügung. Ich kann nur sagen, alle Taschen waren voll, alle Portemonnaies leer.

Aber wir wollen Franzmann mit seiner humorvollen Art ja nicht in den Himmel loben. Ab und an zeigt er seine allzu menschlichen Schwächen. So ließ die Unterrichtsvorbereitung gelegentlich sehr zu wünschen übrig. Die Texte waren nich rechtzeitig kopiert worden, Karten mußten an Schnürsenkeln aufgehängt werden, weil kein Kartenständer parat war. Es kam auch vor, daß Franzmann Fragen unsererseits völlig mißverstand, so daß wir aneinander vorbeiredeten. Dies verursachte Wutausbrüche der Schülerinnen und Schüler während der Pausen. Dennoch kann ich Sie beruhigen, Herr Franzmann: Das waren eher die Ausnahmen. Zu bemänglen wäre schließlich die Ungeduld, die er an den Tag legt, wenn wir Fragen beantworten sollten. Dies hat uns hin und wieder doch geärgert.

Gleichwohl haben Sie es geschafft, Herr Franzmann, daß wir die Wahl eines Lateinleistungskurses kaum bereut haben. Auch möchten wir Ihnen für alle Ihre Bemühungen danken. Wir haben mit Ihnen eine unvergeßliche Zeit verlebt.
 

Ave!
(Ingo Treder)