Cusanus Gymnasiums Erkelenz
Abi-Jahrbuch 1994
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Leistungskurs Englisch bei Frau Kohnen

The "No Neck Monsters"

Nüchtern betrachtet sind wir ein ganz normaler Englisch-Leistungskurs, bis auf die Tatsache, daß man unseren Kurs nicht nüchtern betrachten kann. Allein schon der Zustand, in dem wir täglich am Unterricht teilnahmen, kann nicht als nüchtern (im Sinne von hellwach und motiviert) bezeichnet werden. Den Begriff "nüchtern" möge der Leser nach eigenem Gutdünken auf einzelne Personen unseres Kurses beziehen, wobei man hier noch zwischen "Wochenendleichen" und "Dauerkranken" unterscheiden sollte.

Die einzige rühmliche Ausnahme bildete hierbei Dirk N. aus W., der Ute K. aus E. und Nicole P. aus B. stets mit einem überlauten, provokativen, fast quälend motivierten "Guten Morgen!" zu begrüßen pflegte. Überhaupt paßten die Leute aus unserem Kurs zusammen wie Arsch auf  Eimer!

Sehr zum Unverständnis trugen vor allem die unterschiedlichen Vorstellungen von englischer Sprache bei: So reichte die Aussprache vom deutsch-schulenglischen TH-Zischlaut-Akzent des Torsten H. aus E. über einen "beutelnden" australischen Slang der Birgit S. aus E., bis zu einem zur Unkenntlichkeit verstümmelten Akzent des Dirk B. aus T. ("T" wie Texas).

"Völlig verrissen" wurde dies alles jedoch von Marianne K. aus H., deren Englisch sehr von dem mittelalterlichen, homosexuellen Schriftsteller William S. aus E. geprägt war.

Einigkeit bewiesen wir wohl immer dann, wenn es galt, Frau Kohnens Bemühungen um Unterricht zunichte zu machen; wobei Essen, Trinken und Rauchen zum Standard gehörten. Das klassische Laut-mit-dem-Nachbarn-reden, was vor allem Torsten H. aus E. vorbildlich beherrschte, wurde oft durch Rascheln von Butterbrottüten und emsigem Schmatzen gewisser Personen untermalt.

Außerdem verschaffte sich Dirk N. aus W. Aufmerksamkeit, indem er sich regelmäßig an den Trinkkästchen seiner Mitschülerin Birgit S. aus E. ergötzte, vor allem, wenn es sich um Apfelsaft mit Calcium handelte.

Unser Kurs bestand aus Kommunisten und Kapitalisten, aus McDonald’s-Fanatikern und Ökos, aus Religionsgründern und Atheisten, vor allem aber aus Nihilisten. Ein kleines Beispiel aus der Praxis: Ingo S. aus B. ist einer der Anhänger des von ihm selbst begründeten Physianismus, der Albert Einstein als Gottes Sohn ansieht, und David Copperfield als dessen Gegenspieler: Der Satan! Während Fabian N. aus E. noch immer davon überzeugt ist, eines Tages den vatikanischen Thron zu besteigen, hat Dirk N. aus W. nach eigenen Angaben dem "größten Schwulenclub der Erde" den Kampf angesagt.

Unser Kurs war besonders von Krankheiten gebeutelt (wir waren eigentlich nie vollzählig), und einige litten unter chronischem Zu-spät-Kommen, wie zum Beispiel Fabian N. aus E.: "Ich hab’ mein Fahrrad gerade auf dem Schulhof gefunden und mußte es noch nach Hause bringen!" Auch Victor M. aus P. hatte es nicht sehr mit der Pünktlichkeit: Hatte er endlich den Kursraum erreicht, begann er auf der Stelle die ihm noch verbliebenen Minuten des Unterrichts per Strichliste zu zählen.

Wenn der Unterricht dann begonnen hatte, wurden wir oft sehr vital. So hatten wir immer kreative Einfälle, um eine Auseinandersetzung untereinander oder mit Frau Kohnen vom Zaun zu brechen (die vordergründig betrachtet oft sehr hinterhältig zu sein schienen, jedoch hintergründig stets sehr vorbehalten waren), sprich dem Ziel "Alternativen (zum) Unterricht(s)" galten.

Diese Gabe fiel wohl allen zu und machte uns zu einem sehr lebendigen Englisch-Leistungskurs.

(Birgit Szymczak, Fabian Neikes)