Ritter ohne Furcht und Adel
Es begab sich an einem lauen "Nach-Sommerferien-leider-schon-vorbei (-und-nahe-dem-rettenden-Weihnachtsferienbeginn)-Tag",
daß die schon ein halbes Jahr lang leidgeprüften Bio-LK2-Schüler
aufs neue zusammendiffundierten: Vom Ort der höheren Konzentration
(O-Hof) zum Ort der niedrigeren Konzentration (Bio IV). Denn im ganzen
CGE-Wunderland wurde bekanntgegeben, daß der König (Vh) die
besten Männer und Frauen zu sich an den "Von den Hof" lud.
Zur Belustigung der Ritterrunde, zur Verbesserung der Moral und - wie
sich später herausstellte - zum Schrecken des Burgdrachen Roß-Witha
wurde die Truppe durch einen östlichen Hofnarren verstärkt, den
bis heute noch keiner wirklich lieb hat.
Die Kreuzzüge gegen das Königreich Drosophila, gegen die eindringenden
Virenscharen und gegen die drohende Froschplage nahmen ihren Lauf, jedoch
dankten einige Ritter ab und begannen eine vielversprechende Ausbildung
bei EDEKA ("Ende der Karriere").
Auch die Verständigung mit den Söldnertruppen aus dem Selfkant,
irregeführt von Prinz Rein-Heart, nahmen erträgliche Formen an.
Vh: "Hey Gioia, was machst Du bloß, wenn jemand aus dem Selfkant
gekrochen kommt und wissen will, was Penicillin ist?" Gioia: "Dann muß
ich dem erst einmal das Sprechen beibringen!" Prinz Rein-Heart: "Isch
komm' doch nüsch ausem Selfkant!" (Übersetzung: "Isch
komm’ doch nisch ausem Selfkant!")
Während der Schlacht gegen die grüne Amphibienarmee tarnte
sich unser Hofnarr Madlen so gut, daß sie bald von den Fröschen
gar nicht mehr zu unterscheiden war. Und wie sich später aufgrund
von biologischer Analyse der Hormone herausstellte, gibt es eh keinen Unterschied
zwischen Frauen und Fröschen. Die Frauen sind in biologischer Hinsicht
sowieso gestraft. Wie unser chauvinistischer König nämlich verkündete,
sind alle Frauen schwachsinnig, da sie zwei X-Chromosomen haben, wodurch
die Harmonie ihrer Gene gestört wird. Diese Verleumdung konnten wir
natürlich nicht auf uns sitzen lassen, und nach eifrig geführten
Studien konnten wir stolz das Ergebnis unserer Forschung vorweisen: Die
Frauen benutzen einen ganz raffinierten Trick, um der drohenden Debilität
zu entgehen. Sie spiralisieren einfach ein X-Chromosom und benutzen nur
die Information von einem.
Somit war es auch Lady Gioia möglich, beim Erlernen der Geheimsprache
Fortschritte zu machen. Nur einige Wörter wie "distribute..., nein,
disprutive, oder, ähm, ach ja, disruptive Selektion" bereiten ihr
noch einige Probleme.
Für die effektivste Vermehrung unserer Truppe hatten wir unseren
Fachmann Björn, dem man jedoch nachsagte, daß ihm die Sexualkunde
in der Mittelstufe nichts gebracht habe. Alex zeigte ihre Festigkeit im
Umgang mit Fachtermini auch im Privatleben. Als sie von Vondenhoff darauf
angesprochen wurde, wieso sie immer nur im Rudel anzutreffen sei, antwortete
sie: "Das erhöht die Panmixie!"
Noch schlimmer ist jedoch Prinz Rein-Heart. Dieser verwechselte die
tolle Zeichnung eines Korallenriffs, die unser König erstellt hatte,
mit einem modernen Gemälde von Beate Uhse und glaubt immer noch, daß
die befruchtete Eizellen nicht vom Eileiter aufgefangen werden, sondern
in die Bauchhöhle fallen.
Claudia, die von der anderen Burg zu uns kam, war evolutionär gesehen
ein gutes Beispiel für die Selektionstheorie von Darwin, da sie nur
aufgrund ihrer hervorragenden Fähigkeiten so gut in unserem Reich
gedeihen konnte. Unmerklich wie ein Virus, den Sami genauestens analysieren
sollte (was ihm jedoch nicht so ganz gelang), drang sie in unseren Kurs
ein und wurde so gut angepaßt, daß sie von einem Cusaner gar
nicht mehr zu unterscheiden war.
Diese Art der opportunistischen Tarnung wird im Fachjargon als "Mimikry"
bezeichnet. Durch Kürzung ihrer Lockenpracht enttarnte sie sich dann,
jedoch konnte das ihren biologischen Leistungen nicht mehr schaden. Nun
blinkt sie genauso hell auf am Biohimmel wie unser Stern Alex.
Alex eignete sich jedoch noch für ganz andere Sachen, wie zum Beispiel
für Feten, was sie aber dann negativ zu spüren bekam, als Madlen
versuchte, eine Sektflasche zu öffnen und - anstatt auf unseren Kurs
anzustoßen - den Teppich begoß. Alex versuchte erschrocken,
den Teppich zu reinigen, wobei dieser einige Federn lassen mußte.
Daraufhin hetzte Alex ihren Kampfdackel auf Madlen. Die Schlacht ging glücklich
aus, und auch der Teppich war - wie sich später herausstellte - für
die folgenden Bodenspiele vollkommen funktionsfähig. Einige wurden
in der psychiatrischen Anstalt behandelt, andere wiederum spielten Mikado,
wobei Mikado-Alex unseren König und die anderen Betroffenen mit Mikadostäbchen
bombardierte.
Auch bei unserer "allerbesten Sandra aller Zeiten" konnten die Feten
steigen, wobei man - um eingelassen zu werden - das Losungswort auf holländisch
sagen mußte, da Sandra seit einem Dreivierteljahr nur noch auf holländisch
kommunizierte.
Unseren Zuwachs aus Australien haben wir noch gar nicht erwähnt.
Auch wenn Kylie (so hieß das Känguruh) nur Bücher wie "Vom
Winde verweht" im Unterricht las oder Briefe schrieb, so war sie doch in
den Pausen und an Nachmittagen eine Bereicherung für uns, da sie dank
ihrer freundlichen und offenen Art schnell Freunde fand und für jeden
Spaß zu haben war.
Unser Burgdrache wollte beim Sortieren des Nachwuchses ganz sicher gehen.
Ihr reichte nicht nur der Vaterschaftstest, sondern auch ein Mutterschaftsnachweis
wurde zur Aufnahme in die Ritterrunde verlangt.
Nun wurden wir nicht nur zu guten Rittern der Biologie ausgebildet,
sondern lernten auch, für das leibliche Wohl zu sorgen. Jeder, der
zu spät zum morgendlichen Exerzieren antrat (wobei Rein-Heart sich
ständig weigerte zu kontrahieren), mußte Küchendienst schieben
und den Kuchen unter den Hungernden verteilen. Unser Recke Volker war arm
dran, da sein ultramoderner Wecker entweder bei Stromausfall stehenblieb
oder von seinem Hund zum Frühstück verspeist wurde.
Apropos Kuchen: Die dabei entstandenen Machwerke waren von sehr unterschiedlicher
Qualität und Konsistenz. Die Bandbreite reichte dabei von Marmorkuchen
über Arsentorte bis zur Waffel. Unvergeßlich ist dabei auch
die "Torte á la Aldi", die geschlossen wieder zu ihrem Besitzer
zurückkehrte.
Der noch immer andauernde Kampf konnte auch nicht durch das in Krimis
oft benutzte Gift Strychnin zu einem siegreichen Ende geführt werden.
Also mußten wir weiterhin auf unseren altbewährten Burgdrachen
zurückgreifen. Während eines Mendel-Kreuzzuges stellte sich später
heraus, daß unser ständig fauchender, Gift und Galle speiender
Drache nicht etwa ständig Feuer spuckte, sondern wie Grisu Feuerwehrmann
werden wollte. Die Schlacht endete mit hochgeschlagenen Hosenbeinen, Schwimmflügeln
und Hochwassersirenen.
Die Firma Tempo trat daraufhin mit einem Sponsorenvertrag an sie heran.
Roß-Witha jedoch verklagte die Firma wegen unzureichender Gage.
Unser Drachen machte sich auch eines schweren Verbrechens schuldig,
als er auf einer Fete wieder einmal nicht seinen Appetit stillen konnte
und wie eine Schnapsdrossel die Kirschen aus der Bowle pickte. Zum "Kern
der Sache" gekommen versteckte er die fossilen Überreste seines Mahles
unter der Glocke des Schweigens. Mit diesem Täuschungsmanöver
konnte er jedoch unsere scharfsinnigen Ritter nicht überlisten, die
ihm direkt auf die Schliche kamen.
Bei der Untersuchung der DNA stellten wir fest, daß es auch Nonsenstripletts
gibt, also Wörter ohne Bedeutung, wie zum Beispiel "Steffi".
Für diese unverschämte Bemerkung bekam unser "Dooferner" Jochen
direkt eine Rüge. Er ließ sich auch immer mit Mädchen
ein, die an dem berühmten Grabertschen Scheuerreflex
leiden
(sobald er sie berührt, bekommt er eine gescheuert!).
Und dann war da noch unser lieber Martin, dessen "Reize so genervt"
wurden, daß er oftmals ganz verwirrt aus dem Biosaal kam und uns
ganz penetrant darum bat: "Fragt doch mal einen nach dem Weg!"
Eines schönen Tages waren wir mit unserem König unterwegs
in ein fernes Land (Herzogtum Aachen) und mußten pünktlich zu
einer Kriegskonferenz im Unigebäude erscheinen. Nun wurde die Zeit
etwas knapp, so daß wir wie Kreuzritter aus dem Mittelalter über
die Dörfer fegten. Leider waren die Pferdestärken etwas ungleichmäßig
verteilt. Sabine wurde zur rasenden Furie, was sich nicht nur auf ihren
Fahrstil bezieht, sondern auch ihren Wortschwall nach überstandener
Tortur erklärt.
Sabine: "Boah, Stoppschilder kennt der wohl auch nicht!" - "Normalerweise
ist 50 km/h in der Ortschaft!" - "Der arme Volker kommt in seinem Käfig
gar nicht hinterher!".
Beim anschließenden Eislaufen konnten wir dann alle unsere freitäglichen
Kindheitstriebe ‘rauslassen und unsere Geschicklichkeit beweisen. Unser
Hofnarr Madlen muß dabei irgendwie die Orientierung verloren haben,
da sie wie ein verstörter Krebs nur rückwärts fuhr und dabei
mehr lag als stand, während unser König graziös wie eine
Elfe (oder wie heißt noch gleich das Tier mit dem Rüssel?) seine
Pirouetten drehte. Auch unser lieber Andreas hatte so seine Probleme mit
dem Eis, aber er wurde von den netten Mädchen unserer Truppe ganz
lieb in die Arme genommen.
Auf der Rückfahrt gewann der Wagen von Sabine das Rennen, obwohl
wir uns in Aachen erst noch einmal kräftig verfuhren (Muß man
halt alles mal erlebt haben!). Deshalb brachen wir alle Verkehrsregeln,
um aus diesem Chaos herauszukommen. Wir trafen uns dann zu einem abschließenden
Kaffe in der Burg unseres Königs und wurden vom Burgfräulein
Hermie königlich bewirtet.
Trotz aller Torturen hat sich der Kampf gelohnt, und wir danken unserem
König, der uns sicher und gerecht durch das heilige Reich der Biologie
geführt hat, und dabei seinen Humor und seine Menschlichkeit niemals
verlor, auch wenn seine Nerven auf eine harte Probe gestellt wurden.
Beuger-Streck-Melde-Reflex: "Ich hab’ da noch mal ‘ne Frage!"
Gott beschütze ihn!
Der Rechtsweg ist ausgeschlossen!
(Gioia Tümmler, Madlen Wege, Björn Wolf/
Sabine Drehsen, Alexandra Wackerzapp,
Jochen Grabert, Reinhard Sentis)