Cusanus Gymnasiums Erkelenz
Abi-Jahrbuch 1994
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Leistungskurs Biologie bei Herrn Vondenhoff

Ritter ohne Furcht und Adel

Es begab sich an einem lauen "Nach-Sommerferien-leider-schon-vorbei (-und-nahe-dem-rettenden-Weihnachtsferienbeginn)-Tag", daß die schon ein halbes Jahr lang leidgeprüften Bio-LK2-Schüler aufs neue zusammendiffundierten: Vom Ort der höheren Konzentration (O-Hof) zum Ort der niedrigeren Konzentration (Bio IV). Denn im ganzen CGE-Wunderland wurde bekanntgegeben, daß der König (Vh) die besten Männer und Frauen zu sich an den "Von den Hof" lud.

Zur Belustigung der Ritterrunde, zur Verbesserung der Moral und - wie sich später herausstellte - zum Schrecken des Burgdrachen Roß-Witha wurde die Truppe durch einen östlichen Hofnarren verstärkt, den bis heute noch keiner wirklich lieb hat.

Die Kreuzzüge gegen das Königreich Drosophila, gegen die eindringenden Virenscharen und gegen die drohende Froschplage nahmen ihren Lauf, jedoch dankten einige Ritter ab und begannen eine vielversprechende Ausbildung bei EDEKA ("Ende der Karriere").

Auch die Verständigung mit den Söldnertruppen aus dem Selfkant, irregeführt von Prinz Rein-Heart, nahmen erträgliche Formen an. Vh: "Hey Gioia, was machst Du bloß, wenn jemand aus dem Selfkant gekrochen kommt und wissen will, was Penicillin ist?" Gioia: "Dann muß ich dem erst einmal das Sprechen beibringen!" Prinz Rein-Heart: "Isch komm' doch nüsch ausem Selfkant!" (Übersetzung: "Isch komm’ doch nisch ausem Selfkant!")

Während der Schlacht gegen die grüne Amphibienarmee tarnte sich unser Hofnarr Madlen so gut, daß sie bald von den Fröschen gar nicht mehr zu unterscheiden war. Und wie sich später aufgrund von biologischer Analyse der Hormone herausstellte, gibt es eh keinen Unterschied zwischen Frauen und Fröschen. Die Frauen sind in biologischer Hinsicht sowieso gestraft. Wie unser chauvinistischer König nämlich verkündete, sind alle Frauen schwachsinnig, da sie zwei X-Chromosomen haben, wodurch die Harmonie ihrer Gene gestört wird. Diese Verleumdung konnten wir natürlich nicht auf uns sitzen lassen, und nach eifrig geführten Studien konnten wir stolz das Ergebnis unserer Forschung vorweisen: Die Frauen benutzen einen ganz raffinierten Trick, um der drohenden Debilität zu entgehen. Sie spiralisieren einfach ein X-Chromosom und benutzen nur die Information von einem.

Somit war es auch Lady Gioia möglich, beim Erlernen der Geheimsprache Fortschritte zu machen. Nur einige Wörter wie "distribute..., nein, disprutive, oder, ähm, ach ja, disruptive Selektion" bereiten ihr noch einige Probleme.

Für die effektivste Vermehrung unserer Truppe hatten wir unseren Fachmann Björn, dem man jedoch nachsagte, daß ihm die Sexualkunde in der Mittelstufe nichts gebracht habe. Alex zeigte ihre Festigkeit im Umgang mit Fachtermini auch im Privatleben. Als sie von Vondenhoff darauf angesprochen wurde, wieso sie immer nur im Rudel anzutreffen sei, antwortete sie: "Das erhöht die Panmixie!"

Noch schlimmer ist jedoch Prinz Rein-Heart. Dieser verwechselte die tolle Zeichnung eines Korallenriffs, die unser König erstellt hatte, mit einem modernen Gemälde von Beate Uhse und glaubt immer noch, daß die befruchtete Eizellen nicht vom Eileiter aufgefangen werden, sondern in die Bauchhöhle fallen.

Claudia, die von der anderen Burg zu uns kam, war evolutionär gesehen ein gutes Beispiel für die Selektionstheorie von Darwin, da sie nur aufgrund ihrer hervorragenden Fähigkeiten so gut in unserem Reich gedeihen konnte.  Unmerklich wie ein Virus, den Sami genauestens analysieren sollte (was ihm jedoch nicht so ganz gelang), drang sie in unseren Kurs ein und wurde so gut angepaßt, daß sie von einem Cusaner gar nicht mehr zu unterscheiden war.

Diese Art der opportunistischen Tarnung wird im Fachjargon als "Mimikry" bezeichnet. Durch Kürzung ihrer Lockenpracht enttarnte sie sich dann, jedoch konnte das ihren biologischen Leistungen nicht mehr schaden. Nun blinkt sie genauso hell auf am Biohimmel wie unser Stern Alex.

Alex eignete sich jedoch noch für ganz andere Sachen, wie zum Beispiel für Feten, was sie aber dann negativ zu spüren bekam, als Madlen versuchte, eine Sektflasche zu öffnen und - anstatt auf unseren Kurs anzustoßen - den Teppich begoß. Alex versuchte erschrocken, den Teppich zu reinigen, wobei dieser einige Federn lassen mußte. Daraufhin hetzte Alex ihren Kampfdackel auf Madlen. Die Schlacht ging glücklich aus, und auch der Teppich war - wie sich später herausstellte - für die folgenden Bodenspiele vollkommen funktionsfähig. Einige wurden in der psychiatrischen Anstalt behandelt, andere wiederum spielten Mikado, wobei Mikado-Alex unseren König und die anderen Betroffenen mit Mikadostäbchen bombardierte.

Auch bei unserer "allerbesten Sandra aller Zeiten" konnten die Feten steigen, wobei man - um eingelassen zu werden - das Losungswort auf holländisch sagen mußte, da Sandra seit einem Dreivierteljahr nur noch auf holländisch kommunizierte.

Unseren Zuwachs aus Australien haben wir noch gar nicht erwähnt. Auch wenn Kylie (so hieß das Känguruh) nur Bücher wie "Vom Winde verweht" im Unterricht las oder Briefe schrieb, so war sie doch in den Pausen und an Nachmittagen eine Bereicherung für uns, da sie dank ihrer freundlichen und offenen Art schnell Freunde fand und für jeden Spaß zu haben war.

Unser Burgdrache wollte beim Sortieren des Nachwuchses ganz sicher gehen. Ihr reichte nicht nur der Vaterschaftstest, sondern auch ein Mutterschaftsnachweis wurde zur Aufnahme in die Ritterrunde verlangt.
Nun wurden wir nicht nur zu guten Rittern der Biologie ausgebildet, sondern lernten auch, für das leibliche Wohl zu sorgen. Jeder, der zu spät zum morgendlichen Exerzieren antrat (wobei Rein-Heart sich ständig weigerte zu kontrahieren), mußte Küchendienst schieben und den Kuchen unter den Hungernden verteilen. Unser Recke Volker war arm dran, da sein ultramoderner Wecker entweder bei Stromausfall stehenblieb oder von seinem Hund zum Frühstück verspeist wurde.

Apropos Kuchen: Die dabei entstandenen Machwerke waren von sehr unterschiedlicher Qualität und Konsistenz. Die Bandbreite reichte dabei von Marmorkuchen über Arsentorte bis zur Waffel. Unvergeßlich ist dabei auch die "Torte á la Aldi", die geschlossen wieder zu ihrem Besitzer zurückkehrte.

Der noch immer andauernde Kampf konnte auch nicht durch das in Krimis oft benutzte Gift Strychnin zu einem siegreichen Ende geführt werden. Also mußten wir weiterhin auf unseren altbewährten Burgdrachen zurückgreifen. Während eines Mendel-Kreuzzuges stellte sich später heraus, daß unser ständig fauchender, Gift und Galle speiender Drache nicht etwa ständig Feuer spuckte, sondern wie Grisu Feuerwehrmann werden wollte. Die Schlacht endete mit hochgeschlagenen Hosenbeinen, Schwimmflügeln und Hochwassersirenen.

Die Firma Tempo trat daraufhin mit einem Sponsorenvertrag an sie heran. Roß-Witha jedoch verklagte die Firma wegen unzureichender Gage.

Unser Drachen machte sich auch eines schweren Verbrechens schuldig, als er auf einer Fete wieder einmal nicht seinen Appetit stillen konnte und wie eine Schnapsdrossel die Kirschen aus der Bowle pickte. Zum "Kern der Sache" gekommen versteckte er die fossilen Überreste seines Mahles unter der Glocke des Schweigens. Mit diesem Täuschungsmanöver konnte er jedoch unsere scharfsinnigen Ritter nicht überlisten, die ihm direkt auf die Schliche kamen.

Bei der Untersuchung der DNA stellten wir fest, daß es auch Nonsenstripletts gibt, also Wörter ohne Bedeutung, wie zum Beispiel "Steffi".  Für diese unverschämte Bemerkung bekam unser "Dooferner" Jochen direkt eine Rüge.  Er ließ sich auch immer mit Mädchen ein, die an dem berühmten Grabertschen    Scheuerreflex   leiden
(sobald er sie berührt, bekommt er eine gescheuert!).

Und dann war da noch unser lieber Martin, dessen "Reize so genervt" wurden, daß er oftmals ganz verwirrt aus dem Biosaal kam und uns ganz penetrant darum bat: "Fragt doch mal einen nach dem Weg!"

Eines schönen Tages waren wir mit unserem König unterwegs in ein fernes Land (Herzogtum Aachen) und mußten pünktlich zu einer Kriegskonferenz im Unigebäude erscheinen. Nun wurde die Zeit etwas knapp, so daß wir wie Kreuzritter aus dem Mittelalter über die Dörfer fegten. Leider waren die Pferdestärken etwas ungleichmäßig verteilt. Sabine wurde zur rasenden Furie, was sich nicht nur auf ihren Fahrstil bezieht, sondern auch ihren Wortschwall nach überstandener Tortur erklärt.
Sabine: "Boah, Stoppschilder kennt der wohl auch nicht!" - "Normalerweise ist 50 km/h in der Ortschaft!" - "Der arme Volker kommt in seinem Käfig gar nicht hinterher!".

Beim anschließenden Eislaufen konnten wir dann alle unsere freitäglichen Kindheitstriebe ‘rauslassen und unsere Geschicklichkeit beweisen. Unser Hofnarr Madlen muß dabei irgendwie die Orientierung verloren haben, da sie wie ein verstörter Krebs nur rückwärts fuhr und dabei mehr lag als stand, während unser König graziös wie eine Elfe (oder wie heißt noch gleich das Tier mit dem Rüssel?) seine Pirouetten drehte. Auch unser lieber Andreas hatte so seine Probleme mit dem Eis, aber er wurde von den netten Mädchen unserer Truppe ganz lieb in die Arme genommen.

Auf der Rückfahrt gewann der Wagen von Sabine das Rennen, obwohl wir uns in Aachen erst noch einmal kräftig verfuhren (Muß man halt alles mal erlebt haben!). Deshalb brachen wir alle Verkehrsregeln, um aus diesem Chaos herauszukommen. Wir trafen uns dann zu einem abschließenden Kaffe in der Burg unseres Königs und wurden vom Burgfräulein Hermie königlich bewirtet.

Trotz aller Torturen hat sich der Kampf gelohnt, und wir danken unserem König, der uns sicher und gerecht durch das heilige Reich der Biologie geführt hat, und dabei seinen Humor und seine Menschlichkeit niemals verlor, auch wenn seine Nerven auf eine harte Probe gestellt wurden.

Beuger-Streck-Melde-Reflex: "Ich hab’ da noch mal ‘ne Frage!"

Gott beschütze ihn!

Der Rechtsweg ist ausgeschlossen!
(Gioia Tümmler, Madlen Wege, Björn Wolf/
Sabine Drehsen, Alexandra Wackerzapp,
Jochen Grabert, Reinhard Sentis)