Ansichten eines Seiteneinsteigers
Da in diesem Buch alle Sexten mit einigen Zeilen verewigt wurden, möchte
ich nun ein Denkmal für die Leute setzen, die erst nach der 10. Klasse
zum Cusanus Gymnasium gekommen sind. Ich bin selber so ein "Spätzünder"
und möchte an dieser Stelle ein paar Eindrücke aus den ersten
Wochen an der neuen Schule schildern. Da wir ja von den einzelnen Schulen
nur in kleinen Gruppen die damalige OII überfielen und alle mit verschiedenen
Voraussetzung kamen, kann ich nur aus meiner Perspektive berichten.
Also, nach den Anmeldungsformalitäten und ausgiebigen Ferien, die
immerhin fast zwei Monate dauerten, begann für mich der neue Schulalltag.
Mit einem Raumplan und dem Stundenplan bewaffnet fand ich mich zwischen
vielen fremden Neulingen und Alteingesessenen wieder. Mein erstes Problem
waren die Räume, erstens fand man sie nicht auf Anhieb und dann waren
da immer neue Leute drin, die genau wie ich noch etwas dazu lernen wollten.
Also hieß es Namen lernen! Aber Namen waren nicht das Einzige, das
gelernt werden mußte. Eventuelle Lücken im Stoff mußten
aufgefüllt und mit den neuen Lernmethoden mußte sich angefreundet
werden. Ich war jetzt für mein Wissen selbst verantwortlich und mußte
im Unterricht mitkommen. Am Anfang halfen mir in einigen Fächern noch
die Angleichkurse - eine gute Einrichtung übrigens. In den anderen
Fächern mußte dies dafür etwas schneller gehen.
Das größte Problem bei der Eingewöhnung war wohl das
frühe Aufstehen - für mich heute noch ein Problem - und die längere
Unterrichtszeit, an zwei Tagen sogar am Nachmittag. Schade finde ich auch,
daß durch das Kurssystem keine Klassengemeinschaft mehr in vertrauter
Art entstehen konnte. Selbst in den Tutorkursen entstand keine vertraute,
persönliche Atmosphäre, weil man oft außerhalb der Tutorstunden
wenig Unterricht gemeinsam hatte.
Aber neben diesen negativen Dingen gab es auch Vorteile beim Schulwechsel,
einige möchte ich hier nennen: Große Wahlmöglichkeiten,
Freistunden, separater Schulhof und bei schlechtem Wetter der Cusanuskeller.
So etwas gab es an der Realschule nicht. Lustig fand ich noch die neue
Form der Anrede; denn mit "Sie" wurde ich bis dahin ganz selten - fast
nie - angesprochen. Doch dieses Phänomen verschwand in den meisten
Kursen schnell und das "Du" hielt wieder Einzug - Gott sei Dank.
So bekam ich mit dem Schulwechsel viele neue Rechte und alte Pflichten
auferlegt. Wenn ich von heute auf diese Anfangszeit zurückschaue,
dann habe ich ein gutes Gefühl. Ich habe gelernt mit den Freiheiten,
die mir eingeräumt wurden, umzugehen und in dieser Zeit viele Leute
kennengelernt, die mir im Laufe der Zeit zu guten Freunden geworden sind.
(Stefanie Cohnen)