Sind wir des weiteren Lebens überhaupt noch würdig?
Auszüge aus der Gerichtsverhandlung CGE gegen die Mitglieder
der ehemaligen Sexta b dieser Schule
In Vertretung für alle anderen Sünder der alten VIb sind wir
nun nach langer Zeit endlich bereit, unser Geständnis über unsere
dunkle Vergangenheit abzulegen. Wir geloben die Wahrheit und nichts als
die reine Wahrheit zu offenbaren. Um bei dem Ursprung aller Dinge und einem
wichtigen Teil des Lebens der VIb zu beginnen, rufen wir als erstes unseren
ersten Klassenlehrer, Klaus Wentz, in den Zeugenstand. Über ihn wäre
rückblickend zu sagen, daß er uns allen als "Papa Wentz" in
Erinnerung geblieben ist, dessen väterliche Güte sein ganzes
Wesen bestimmte, wobei die nötige Strenge in unserer Erziehung vielleicht
manchmal etwas zu kurz kam. Da K. Wentz seine Pappenheimer (sprich: uns)
kannte, mußten wir leider während des gesamten ersten Abschnittes
unserer Schullaufbahn auf eine Klassenfahrt in Zelten verzichten, dabei
war dies insgeheim unser aller größter Wunsch gewesen. Doch
dieser Wunsch sollte uns nicht für immer verwehrt bleiben; er wurde
von der Person unseres 2. Klassenlehrers, Michael Deck in der 10. Klasse
erfüllt. Dies milderte den furchtbaren Schock des Klassenlehrerwechsels,
der uns gleichzeitig von nun an einer strengen "Decktatur" unterwarf. Nun
hätte man glauben können beginne auch für uns der Ernst
des Lebens, aber weit gefehlt. Hatte manches Elternherz gehofft, daß
wir nun anfangen würden, Disziplin und Ernsthaftigkeit für das
spätere Leben zu erlernen, so wurde diese Hoffnung doch weitestgehend
zerschlagen, betrachtet man einige Aussprüche unseres neu gewonnenen
Klassenlehrers während unsere Zelttour nach Süsterseel. Der Angeklagte
sprach am Feuer unseres Zeltlagers, nachdem ihm die dort gerissenen Witze
doch zu sehr ins "Eingemachte" gingen: »Jetzt kommen wir aber doch
mal zu etwas ernsteren Dingen!« (Kunstpause á la Deck). Und
kurze Zeit später folgte der 17. Nonnenwitz.
Aber auf dieser Klassenfahrt geschahen noch ganz andere Dinge: Angeklagt
für das Erstellen von pornographischen Aktphotos unter der Dusche
von dem armen, unschuldigen, nichts ahnenden Opfer Anke B. ist in diesem
Fall Bastian P. . Dieser nervte auch dadurch, daß er ständig
mit laufendem Kassettenrecorder den anderen nachstellte, auf der Suche
nach geeigneten Interviewpartnern. Davon das wichtigste im Mitschnitt:
Yvonne W.: "Hau ab, Mann!!!"
Björn W.: "Arbeiten, da jib et nix!"
Doch als Clown der Klasse blieb er auch auf anderen Klassenfahrten seinem
Ruf absolut treu. Nachdem er sich in Blens, dem Ziel unserer Kajak- und
Kletterfahrt in der 9. Klasse, zuerst zum Opfer der Schmink- und Frisierkünste
der Mädchen machte, mußte er wegen wiederholtem groben Unfuges
(§ 93b unseres Klassengesetzbuches) eine einsame Nacht im Freien verbringen.
In diesem Fall entschied das hohe Gericht folgendermaßen: Da Bastian
P. der jüngste der Klasse war, fielen seine Taten unter die Kategorie
jugendliche Unzurechnungsfähigkeit; daher plädiert das Gericht
in diesem Ausnahmezustand für mildernde Umstände.
Ebenfalls in Blens stellte Thorsten R. eine große Gefahr für
unsere Lachmuskeln dar, weil er nicht in, sondern neben seinem Kajak als
ständig brabbelndes Treibgut die Rur hinunter schwamm! Hauptanklagepunkt
bei der Person des Thorsten R. war sein chaotischer Redefluß, der
nicht nur uns, sondern auch manchem Lehrer den letzten Nerv kostete. Paradebeispiel
hierfür war Mathelehrer W. Janschewski (Kurz: Wäärner).
Er versuchte mit folgenden Aussprüchen das Temperament einiger besonders
aktiver Schüler unserer Klasse zu dummen: »Du bist wohl vor
die Pumpe gesaust, Thorsten!«, »Koeck, was sitzt du überhaupt
noch hier herum und klaust den anderen den Sauerstoff ?!«
Von uns aufgestellte Statistiken über das etwas ungewöhnliche
Verhalten dieses "Lehrers" ergaben folgende Ergebnisse: Öfter noch
als Flüche und Tritte (natürlich nur gegen unbelebte Gegenstände)
bombardierte "Wäärner" uns mit falschen Anschuldigungen, wir
hätten seinen überaus interessanten Unterricht gestört.
Dabei brachten es einige von uns auf eine sehr imposante Latte von "Anranzern"
(Roger K., Martin W., Christian N.). Der Letztgenannte trug Schäden
für sein ganzes Leben von diesen Mathestunden davon, nachdem es W.
Janschewski zur Gewohnheit geworden war, seinen Kopf auf die Tischplatte
zu knallen. Von seinem Unterrichtsstil wurden aber nicht nur wir, sondern
auch unsere Mappen und Stifte beflügelt, die oft ihren Weg durch das
Fenster oder in den Mülleimer nahmen. Urteil des Gerichts: Nur weiter
so, Wäärner, kultig war's!!!
Nun zu weiteren wichtigen Verbrechern der VIb. Ralle R. war unser Spezialist
für Sachbeschädigung und gleichzeitig anonymer Bewunderer der
Feuerwehr, was sich in seiner eigentlich unmotivierten Tat äußerte,
den Feueralarm in der Schule auszulösen! Vorübergehende Unzurechnungsfähigkeit
konnte man damals zu seiner Verteidigung nicht anführen, was sich
aber schlagartig ändern sollte. Deshalb ist es nun an der Zeit, die
Vorfälle auf der Insel Terschelling, auf die wir in der Quinta fuhren,
zu rekonstruieren. In unserem jungen Leben war dies die erste Station,
in der Alkohol eine Rolle zu spielen begann: Ralle war sturzbesoffen, und
Bernd kotzte in den Mülleimer der Jugendherberge, wobei die näheren
Umstände dieser Übelkeit wohl keiner näheren Betrachtung
nötig machen. Weiterer Höhepunkt bzw. tiefster Punkt dieser Fahrt
war Martina N.’s bauchtiefer Sturz in ein Matschloch.
Einen kleinen Trottel besitzt jede Klasse: Unserer war Elmar P. Ihm
wird in der Verhandlung vorgeworfen, der Schuldige an unserer mangelnder
Konzentration während des Unterrichts zu sein; oft mußten wir
Tränen lachen. Besonders Herr Cuber, der eine Begabung dafür
besaß, uns an unseren kleinen Schwachstellen zu treffen, hatte den
armen Elmar besonders auf dem Kieker: "Elmar, wie heißt du denn mit
Nachnamen?" ... "Elmar!"; Elmar bei dem erfolglosen Versuch ein Fenster
zu öffnen: Cuber: "Elmar, bist du ein Mann oder eine Maus?" - "Weiß
nicht!".
Auch die Unwissenheit mancher Lehrer in ihrem Fachgebiet war oft recht
amüsant. Thorsten zu Herrn Bernhard während des Sexualkunde-Unterrichts:
"Könnten Sie mir erklären, was der G-Punkt ist?" - "Das sage
ich dir in der nächsten Stunde, Thorsten. Da muß ich erst einmal
im Lexikon nachschlagen !"
Um nicht von dem eigentlichen Thema dieses Berichtes abzukommen, in
dem es ja darum geht, unsere Sünden und nicht die unserer Lehrer zu
betrachten, verlassen wir jetzt die Personen unserer Erzieher wieder. Denn
das Konto unserer Schandtaten ist groß. Kinder können oft so
gemein und unsensibel sein. Ein Beispiel für ein Kind von besonderer
Boshaftigkeit wie aus dem Lehrbuch fand man natürlich auch bei uns.
Roger K. war der Übeltäter, der in der Quinta unseren neuen Mitschüler
Björn W. so sehr zur Weißglut brachte, daß dem sonst so
sportfaulen Roger nichts anderes übrig blieb als in der Sportstunde
zum ersten Mal in seinem Leben die Beine in die Hand zu nehmen und aus
sich herauszuholen, was nur herauszuholen war. Wäre er in diesem einen
Falle, von der Angst um sein Leben getrieben, nicht rekordverdächtig
schnell gelaufen, hätten wir nach einem Zusammentreffen mit Björn
bestimmt nur noch Einzelteile von ihm vorgefunden. Björn, wir danken
Dir im Nachhinein noch einmal dafür, daß Du es so lange mit
uns ausgehalten hast!
Aufs Übelste dafür zu sorgen, daß die Unschuld unserer
jungen Seelen durcheinandergebracht wurde, das gelang in Erstaufführung
nur Sascha K. Warum mußte er sich denn auch unbedingt während
der Klassenfahrt nach Terschelling, wo wir alle noch im zarten Alter von
12 Jahren vor uns hinlebten, ohne verwerfliche Gedanken zu haben, so genau
mit sich und seine Körper beschäftigen?! Daß seine Zimmermitbewohner
noch heute daran zu knabbern haben, ist nicht zu übersehen. Unsere
erste echte Begegnung mit der Sexualität, die wir zuvor nur aus dem
Biologieunterricht kannten.
Doch gibt es nicht auch Positives über diese Menschen zu berichten?
Kramt man ganz tief in der Kiste der Erinnerungen, so findet man selbst
bei uns einiges, was lobenswert zu erwähnen wäre. Denkt man z.B.
an jede Art von sportlichen Wettkämpfen zurück, so kann man es
nicht anders sagen, als daß wir dem Namen unserer Klasse alle Ehre
machten: B = the Best. Sehr oft gelang es uns nämlich doch, die Erzfeinde
aus den anderen Klassen (zum Beispiel die "a") zu schlagen. Auch bei der
Musikaufführung mit Herrn Barnieske und unserer Wanderfahrt nach Kevelaer
in der Sexta spürte man förmlich den Schimmer unserer Heiligenscheine,
die über unseren Köpfen schwebten. Um unsere Leser nun nicht
weiter endlos zu strapazieren, wäre abschließend folgendes Urteil
des hohen Gerichts zu verkünden: Für diejenigen, denen wir das
zu verdanken haben, was wir heute sind, kann nur ein Strafmaß gerecht
sein. Lebenslänglich Cusanus für alle unsere Lehrer, natürlich
ohne Bewährung! Wir aber geloben feierlich, unsere wiedergewonnene
Freiheit und das, was wir während unseres langen Aufenthaltes hinter
den grauen Mauern der Schule erlernt haben, von nun an sinnvoll zu nutzen
für unser weiteres Leben.
(Anke Bierbach, Bernd Wilms)
Bis zur 13. Klasse haben es folgende Leute geschafft: Dirk Moll, Jens
Kamp, Sven Jansen, Thorsten Risch, Sandra Lowis, Bastian Przibylla, Karina
Buczkowski, Martin Brand, Dominik Volmer, Ralf Randerath, Bernd Wilms,
Christina Mudrack, Anke Bierbach, Sonja Müller