Cusanus Gymnasiums Erkelenz
Abi-Jahrbuch 1994
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Sexta b (Wentz)

Sind wir des weiteren Lebens überhaupt noch würdig?

Auszüge aus der Gerichtsverhandlung CGE gegen die Mitglieder der ehemaligen Sexta b dieser Schule
 

In Vertretung für alle anderen Sünder der alten VIb sind wir nun nach langer Zeit endlich bereit, unser Geständnis über unsere dunkle Vergangenheit abzulegen. Wir geloben die Wahrheit und nichts als die reine Wahrheit zu offenbaren. Um bei dem Ursprung aller Dinge und einem wichtigen Teil des Lebens der VIb zu beginnen, rufen wir als erstes unseren ersten Klassenlehrer, Klaus Wentz, in den Zeugenstand. Über ihn wäre rückblickend zu sagen, daß er uns allen als "Papa Wentz" in Erinnerung geblieben ist, dessen väterliche Güte sein ganzes Wesen bestimmte, wobei die nötige Strenge in unserer Erziehung vielleicht manchmal etwas zu kurz kam. Da K. Wentz seine Pappenheimer (sprich: uns) kannte, mußten wir leider während des gesamten ersten Abschnittes unserer Schullaufbahn auf eine Klassenfahrt in Zelten verzichten, dabei war dies insgeheim unser aller größter Wunsch gewesen. Doch dieser Wunsch sollte uns nicht für immer verwehrt bleiben; er wurde von der Person unseres 2. Klassenlehrers, Michael Deck in der 10. Klasse erfüllt. Dies milderte den furchtbaren Schock des Klassenlehrerwechsels, der uns gleichzeitig von nun an einer strengen "Decktatur" unterwarf. Nun hätte man glauben können beginne auch für uns der Ernst des Lebens, aber weit gefehlt. Hatte manches Elternherz gehofft, daß wir nun anfangen würden, Disziplin und Ernsthaftigkeit für das spätere Leben zu erlernen, so wurde diese Hoffnung doch weitestgehend zerschlagen, betrachtet man einige Aussprüche unseres neu gewonnenen Klassenlehrers während unsere Zelttour nach Süsterseel. Der Angeklagte sprach am Feuer unseres Zeltlagers, nachdem ihm die dort gerissenen Witze doch zu sehr ins "Eingemachte" gingen: »Jetzt kommen wir aber doch mal zu etwas ernsteren Dingen!« (Kunstpause á la Deck). Und kurze Zeit später folgte der 17. Nonnenwitz.

Aber auf dieser Klassenfahrt geschahen noch ganz andere Dinge: Angeklagt für das Erstellen von pornographischen Aktphotos unter der Dusche von dem armen, unschuldigen, nichts ahnenden Opfer Anke B. ist in diesem Fall Bastian P. . Dieser nervte auch dadurch, daß er ständig mit laufendem Kassettenrecorder den anderen nachstellte, auf der Suche nach geeigneten Interviewpartnern. Davon das wichtigste im Mitschnitt:

Yvonne W.: "Hau ab, Mann!!!"
Björn W.: "Arbeiten, da jib et nix!"

Doch als Clown der Klasse blieb er auch auf anderen Klassenfahrten seinem Ruf absolut treu. Nachdem er sich in Blens, dem Ziel unserer Kajak- und Kletterfahrt in der 9. Klasse, zuerst zum Opfer der Schmink- und Frisierkünste der Mädchen machte, mußte er wegen wiederholtem groben Unfuges (§ 93b unseres Klassengesetzbuches) eine einsame Nacht im Freien verbringen. In diesem Fall entschied das hohe Gericht folgendermaßen: Da Bastian P. der jüngste der Klasse war, fielen seine Taten unter die Kategorie jugendliche Unzurechnungsfähigkeit; daher plädiert das Gericht in diesem Ausnahmezustand für mildernde Umstände.

Ebenfalls in Blens stellte Thorsten R. eine große Gefahr für unsere Lachmuskeln dar, weil er nicht in, sondern neben seinem Kajak als ständig brabbelndes Treibgut die Rur hinunter schwamm! Hauptanklagepunkt bei der Person des Thorsten R. war sein chaotischer Redefluß, der nicht nur uns, sondern auch manchem Lehrer den letzten Nerv kostete. Paradebeispiel hierfür war Mathelehrer W. Janschewski (Kurz: Wäärner). Er versuchte mit folgenden Aussprüchen das Temperament einiger besonders aktiver Schüler unserer Klasse zu dummen: »Du bist wohl vor die Pumpe gesaust, Thorsten!«, »Koeck, was sitzt du überhaupt noch hier herum und klaust den anderen den Sauerstoff ?!«

Von uns aufgestellte Statistiken über das etwas ungewöhnliche Verhalten dieses "Lehrers" ergaben folgende Ergebnisse: Öfter noch als Flüche und Tritte (natürlich nur gegen unbelebte Gegenstände) bombardierte "Wäärner" uns mit falschen Anschuldigungen, wir hätten seinen überaus interessanten Unterricht gestört. Dabei brachten es einige von uns auf eine sehr imposante Latte von "Anranzern" (Roger K., Martin W., Christian N.). Der Letztgenannte trug Schäden für sein ganzes Leben von diesen Mathestunden davon, nachdem es W. Janschewski zur Gewohnheit geworden war, seinen Kopf auf die Tischplatte zu knallen. Von seinem Unterrichtsstil wurden aber nicht nur wir, sondern auch unsere Mappen und Stifte beflügelt, die oft ihren Weg durch das Fenster oder in den Mülleimer nahmen. Urteil des Gerichts: Nur weiter so, Wäärner, kultig war's!!!

Nun zu weiteren wichtigen Verbrechern der VIb. Ralle R. war unser Spezialist für Sachbeschädigung und gleichzeitig anonymer Bewunderer der Feuerwehr, was sich in seiner eigentlich unmotivierten Tat äußerte, den Feueralarm in der Schule auszulösen! Vorübergehende Unzurechnungsfähigkeit konnte man damals zu seiner Verteidigung nicht anführen, was sich aber schlagartig ändern sollte. Deshalb ist es nun an der Zeit, die Vorfälle auf der Insel Terschelling, auf die wir in der Quinta fuhren, zu rekonstruieren. In unserem jungen Leben war dies die erste Station, in der Alkohol eine Rolle zu spielen begann: Ralle war sturzbesoffen, und Bernd kotzte in den Mülleimer der Jugendherberge, wobei die näheren Umstände dieser Übelkeit wohl keiner näheren Betrachtung nötig machen. Weiterer Höhepunkt bzw. tiefster Punkt dieser Fahrt war Martina N.’s bauchtiefer Sturz in ein Matschloch.

Einen kleinen Trottel besitzt jede Klasse: Unserer war Elmar P. Ihm wird in der Verhandlung vorgeworfen, der Schuldige an unserer mangelnder Konzentration während des Unterrichts zu sein; oft mußten wir Tränen lachen. Besonders Herr Cuber, der eine Begabung dafür besaß, uns an unseren kleinen Schwachstellen zu treffen, hatte den armen Elmar besonders auf dem Kieker: "Elmar, wie heißt du denn mit Nachnamen?" ... "Elmar!"; Elmar bei dem erfolglosen Versuch ein Fenster zu öffnen: Cuber: "Elmar, bist du ein Mann oder eine Maus?" - "Weiß nicht!".

Auch die Unwissenheit mancher Lehrer in ihrem Fachgebiet war oft recht amüsant. Thorsten zu Herrn Bernhard während des Sexualkunde-Unterrichts: "Könnten Sie mir erklären, was der G-Punkt ist?" - "Das sage ich dir in der nächsten Stunde, Thorsten. Da muß ich erst einmal im Lexikon nachschlagen !"

Um nicht von dem eigentlichen Thema dieses Berichtes abzukommen, in dem es ja darum geht, unsere Sünden und nicht die unserer Lehrer zu betrachten, verlassen wir jetzt die Personen unserer Erzieher wieder. Denn das Konto unserer Schandtaten ist groß. Kinder können oft so gemein und unsensibel sein. Ein Beispiel für ein Kind von besonderer Boshaftigkeit wie aus dem Lehrbuch fand man natürlich auch bei uns. Roger K. war der Übeltäter, der in der Quinta unseren neuen Mitschüler Björn W. so sehr zur Weißglut brachte, daß dem sonst so sportfaulen Roger nichts anderes übrig blieb als in der Sportstunde zum ersten Mal in seinem Leben die Beine in die Hand zu nehmen und aus sich herauszuholen, was nur herauszuholen war. Wäre er in diesem einen Falle, von der Angst um sein Leben getrieben, nicht rekordverdächtig schnell gelaufen, hätten wir nach einem Zusammentreffen mit Björn bestimmt nur noch Einzelteile von ihm vorgefunden. Björn, wir danken Dir im Nachhinein noch einmal dafür, daß Du es so lange mit uns ausgehalten hast!

Aufs Übelste dafür zu sorgen, daß die Unschuld unserer jungen Seelen durcheinandergebracht wurde, das gelang in Erstaufführung nur Sascha K. Warum mußte er sich denn auch unbedingt während der Klassenfahrt nach Terschelling, wo wir alle noch im zarten Alter von 12 Jahren vor uns hinlebten, ohne verwerfliche Gedanken zu haben, so genau mit sich und seine Körper beschäftigen?! Daß seine Zimmermitbewohner noch heute daran zu knabbern haben, ist nicht zu übersehen. Unsere erste echte Begegnung mit der Sexualität, die wir zuvor nur aus dem Biologieunterricht kannten.

Doch gibt es nicht auch Positives über diese Menschen zu berichten? Kramt man ganz tief in der Kiste der Erinnerungen, so findet man selbst bei uns einiges, was lobenswert zu erwähnen wäre. Denkt man z.B. an jede Art von sportlichen Wettkämpfen zurück, so kann man es nicht anders sagen, als daß wir dem Namen unserer Klasse alle Ehre machten: B = the Best. Sehr oft gelang es uns nämlich doch, die Erzfeinde aus den anderen Klassen (zum Beispiel die "a") zu schlagen. Auch bei der Musikaufführung mit Herrn Barnieske und unserer Wanderfahrt nach Kevelaer in der Sexta spürte man förmlich den Schimmer unserer Heiligenscheine, die über unseren Köpfen schwebten. Um unsere Leser nun nicht weiter endlos zu strapazieren, wäre abschließend folgendes Urteil des hohen Gerichts zu verkünden: Für diejenigen, denen wir das zu verdanken haben, was wir heute sind, kann nur ein Strafmaß gerecht sein. Lebenslänglich Cusanus für alle unsere Lehrer, natürlich ohne Bewährung! Wir aber geloben feierlich, unsere wiedergewonnene Freiheit und das, was wir während unseres langen Aufenthaltes hinter den grauen Mauern der Schule erlernt haben, von nun an sinnvoll zu nutzen für unser weiteres Leben.
 

(Anke Bierbach, Bernd Wilms)
 

Bis zur 13. Klasse haben es folgende Leute geschafft: Dirk Moll, Jens Kamp, Sven Jansen, Thorsten Risch, Sandra Lowis, Bastian Przibylla, Karina Buczkowski, Martin Brand, Dominik Volmer, Ralf Randerath, Bernd Wilms, Christina Mudrack, Anke Bierbach, Sonja Müller