Mit "Jocko" zum Abitur
Fing alles damit an, daß Herr Boidol die Klassenliste herumgehen
ließ und die korrekten Adressen feststellte? Nein, es begann mit
einem "Kennenlern-Spiel", das sich aus Herrn Boidols Plüschaffen und
einer Regel zusammensetzte. Und zwar begann Herr Boidol mit den Worten:
"Ich bin der Peter, und mir hat der Jocko (Affe) in den Nacken gepustet."
Damit war die Regel klar, und Herr Boidol hieß von nun an "Pit".
(Als sich herausstellte, daß er Peter-Josef heißt, änderten
wir das natürlich in "Pit-Jupp" ab.)
Die erste Fete fand bei Birgit S. statt und war nicht besonders stark
besucht. Davon abgesehen bildeten sich schnell "Grüppchen" heraus,
die bis heute weitgehend erhalten sind. Es gab reichlich Bier, und auch
unser "Willkommens-Geschenk" für Herrn Boidol - eine Flasche Wein
- wurde von einigen Individuen schnell als Muntermacher gebraucht. Es war
also ganz lustig ... (siehe Foto).
Die zweite Fete fand in des Meisters Haus selbst in Form eines Pizzaessens
statt. Die Teilnahme war etwas reger, doch ärgerlich war, daß
einige dringendst auf eine andere Fete mußten. Außerdem wurde
diese Feier von einem tragischen Ereignis überschattet, das sich in
einem Asthma-Anfall des Hundes einer Mitschülerin äußerte
(der Hund lebt aber noch).
An gemeinsamen Unternehmungen ist sicherlich die Fahrt mit dem Fahrrad
zum Hariksee bei Niederkrüchten zu erwähnen. Diese begann in
strömendem Regen und endete auch so, aber zwischendurch schien für
ca. drei Stunden die Sonne. Einige "nicht befahrradete" Mitschüler
mußten sich Räder des Cusanus-Gymnasiums gegen eine verschwindend
geringe Gebühr ausleihen. Das sieht man den Rädern teilweise
noch heute an, denn der Fahrstil einiger Individuen verwandelte in Kombination
mit verschlammten und rutschigen Wegen einige Beinahe-Unfälle in reale
Kollisionen. Die Stimmung bei dieser Fahrt war relativ gut, doch trennte
sich die Gruppe unbeabsichtigt, als die Wege für die Zartbesaiteten
"unpassierbar" wurden. Aufgrund des Verfahrens der "harten Gruppe" aber
war die "zartbesaitete Gruppe" eher am Ziel. Auf dem Rückweg ergab
sich dieses Problem dank der starken Hand unseres Lehrers nicht.
Die nächste Fahrt war schon die Tutorfahrt, ein - von allen als
wunderschön empfundener - Segeltörn auf dem Ijsselmeer. Um nicht
zu sehr abzuschweifen, will ich mich auf die wichtigsten Details beschränken:
Es begann mit dem Mieten eines Zweimasters und endete mit einer Busfahrt.
Zu kurz? Okay! Also, das Wetter war relativ gut - wir erlebten sogar ein
Gewitter auf See - und die Stimmung auch. Besonders interessant wurde es,
als der Bootshund Flip auf das blanke Deck schiß, und der Skipper
seine Frau darüber informierte: "Barbara, Flip het jepopt!"
Ärger gab es, als einige besonders Witzige den Küchendienstplan
so änderten, daß sie keinen Dienst mehr hatten. Damit gelangten
die "intragruppalen" Konflikte zu ihrem Höhepunkt, flachten dann aber
so gut wie ganz ab, als es darum ging, einen Mitschüler bei seinem
"verbalen" Kampf gegen eine andere Klasse einer anderen Schule zu unterstützen.
Ein kleines Problem ergab sich bei der Benutzung der sanitären
Anlage an Bord: Eine "Riesenwurst" verstopfte alle Rohre und tauchte daraufhin
in diversen Waschbecken wieder auf. Zum Glück hatte morgens eine Gruppe
ihren Küchendienst geschwänzt und wurde passenderweise zum sanitären
Reinigungsdienst abkommandiert.
Unser Lehrer wurde - natürlich hinter seinem Rücken - von
einigen Individuen angegriffen, da er auf ein für alle verpflichtendes
Abschluß-essen verzichtete und die Teilnahme hieran jedem freistellte.
Komischerweise waren die Individuen identisch mit jenen, die einen Discobesuch
einem gemeinsamen Essen vorzogen. Das Essen in einem edlen Fischrestaurant
war teuer und von zweifelhaftem Ruhme, was jedoch durch eine gute Atmosphäre
wettgemacht wurde.
Seekrank wurde keiner, trotz daß das Schiff in Spitzenzeiten ungefähr
49,45° Schräglage hatte. Die Fahrt wurde einstimmig - inklusive
Pit-Jupp - mit "gut" bewertet.
Die Arbeit in der Schule war geprägt von Gruppenarbeiten, worüber
nach wie vor geteilte Meinungen herrschen. Spannungen traten selten auf,
wenn man von diesem Vorfall als Exempel einmal absieht: Herr Boidol ging
relativ sparsam mit außerschulischen Arbeiten um, was keiner bemängelte.
Als jedoch die Klausur zu diesem Thema nicht das gewünschte Ergebnis
lieferte, wurde heftige Kritik und das Verlangen nach mehr Aufgaben geäußert.
Aus verständlichen Gründen rief dies nach kurzer Zeit jedoch
wieder Kritik hervor - paradoxerweise von den nämlichen Individuen.
Ähnlich Widersprüchliches trat verstärkt auf, doch blieb
die Stimmung im Durchschnitt gut. Wir begannen in der Jahrgangsstufe elf
mit 18 Kursmitgliedern, von denen uns bis heute vier verließen, dafür
kamen jedoch drei neue hinzu, also ein - rein statistisch gesehen - gutes
Ergebnis.
Unser Lehrer verlor keinmal die Fassung und sah sich äußerst
selten gezwungen, arg alberne Störenfriede durch vorübergehende
Verbannung zu maßregeln.
Als Ausklang des erfolgreich bestandenen Abiturs steht uns allen noch
ein gemeinsames "Abschiedsessen" bevor, an dem hoffentlich alle glücklich
teilnehmen.