Cusanus Gymnasiums Erkelenz
Abi-Jahrbuch 1994
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Tutorkurs Deutsch bei Herrn Boidol

Mit "Jocko" zum Abitur

Fing alles damit an, daß Herr Boidol die Klassenliste herumgehen ließ und die korrekten Adressen feststellte? Nein, es begann mit einem "Kennenlern-Spiel", das sich aus Herrn Boidols Plüschaffen und einer Regel zusammensetzte. Und zwar begann Herr Boidol mit den Worten: "Ich bin der Peter, und mir hat der Jocko (Affe) in den Nacken gepustet." Damit war die Regel klar, und Herr Boidol hieß von nun an "Pit". (Als sich herausstellte, daß er Peter-Josef heißt, änderten wir das natürlich in "Pit-Jupp" ab.)

Die erste Fete fand bei Birgit S. statt und war nicht besonders stark besucht. Davon abgesehen bildeten sich schnell "Grüppchen" heraus, die bis heute weitgehend erhalten sind. Es gab reichlich Bier, und auch unser "Willkommens-Geschenk" für Herrn Boidol - eine Flasche Wein - wurde von einigen Individuen schnell als Muntermacher gebraucht. Es war also ganz lustig ... (siehe Foto).

Die zweite Fete fand in des Meisters Haus selbst in Form eines Pizzaessens statt. Die Teilnahme war etwas reger, doch ärgerlich war, daß einige dringendst auf eine andere Fete mußten. Außerdem wurde diese Feier von einem tragischen Ereignis überschattet, das sich in einem Asthma-Anfall des Hundes einer Mitschülerin äußerte (der Hund lebt aber noch).

An gemeinsamen Unternehmungen ist sicherlich die Fahrt mit dem Fahrrad zum Hariksee bei Niederkrüchten zu erwähnen. Diese begann in strömendem Regen und endete auch so, aber zwischendurch schien für ca. drei Stunden die Sonne. Einige "nicht befahrradete" Mitschüler mußten sich Räder des Cusanus-Gymnasiums gegen eine verschwindend geringe Gebühr ausleihen. Das sieht man den Rädern teilweise noch heute an, denn der Fahrstil einiger Individuen verwandelte in Kombination mit verschlammten und rutschigen Wegen einige Beinahe-Unfälle in reale Kollisionen. Die Stimmung bei dieser Fahrt war relativ gut, doch trennte sich die Gruppe unbeabsichtigt, als die Wege für die Zartbesaiteten "unpassierbar" wurden. Aufgrund des Verfahrens der "harten Gruppe" aber war die "zartbesaitete Gruppe" eher am Ziel. Auf dem Rückweg ergab sich dieses Problem dank der starken Hand unseres Lehrers nicht.

Die nächste Fahrt war schon die Tutorfahrt, ein - von allen als wunderschön empfundener - Segeltörn auf dem Ijsselmeer. Um nicht zu sehr abzuschweifen, will ich mich auf die wichtigsten Details beschränken:

Es begann mit dem Mieten eines Zweimasters und endete mit einer Busfahrt. Zu kurz? Okay! Also, das Wetter war relativ gut - wir erlebten sogar ein Gewitter auf See - und die Stimmung auch. Besonders interessant wurde es, als der Bootshund Flip auf das blanke Deck schiß, und der Skipper seine Frau darüber informierte: "Barbara, Flip het jepopt!"

Ärger gab es, als einige besonders Witzige den Küchendienstplan so änderten, daß sie keinen Dienst mehr hatten. Damit gelangten die "intragruppalen" Konflikte zu ihrem Höhepunkt, flachten dann aber so gut wie ganz ab, als es darum ging, einen Mitschüler bei seinem "verbalen" Kampf gegen eine andere Klasse einer anderen Schule zu unterstützen.

Ein kleines Problem ergab sich bei der Benutzung der sanitären Anlage an Bord: Eine "Riesenwurst" verstopfte alle Rohre und tauchte daraufhin in diversen Waschbecken wieder auf. Zum Glück hatte morgens eine Gruppe ihren Küchendienst geschwänzt und wurde passenderweise zum sanitären Reinigungsdienst abkommandiert.

Unser Lehrer wurde - natürlich hinter seinem Rücken - von einigen Individuen angegriffen, da er auf ein für alle verpflichtendes Abschluß-essen verzichtete und die Teilnahme hieran jedem freistellte. Komischerweise waren die Individuen identisch mit jenen, die einen Discobesuch einem gemeinsamen Essen vorzogen. Das Essen in einem edlen Fischrestaurant war teuer und von zweifelhaftem Ruhme, was jedoch durch eine gute Atmosphäre wettgemacht wurde.

Seekrank wurde keiner, trotz daß das Schiff in Spitzenzeiten ungefähr 49,45° Schräglage hatte. Die Fahrt wurde einstimmig - inklusive Pit-Jupp - mit "gut" bewertet.

Die Arbeit in der Schule war geprägt von Gruppenarbeiten, worüber nach wie vor geteilte Meinungen herrschen. Spannungen traten selten auf, wenn man von diesem Vorfall als Exempel einmal absieht: Herr Boidol ging relativ sparsam mit außerschulischen Arbeiten um, was keiner bemängelte. Als jedoch die Klausur zu diesem Thema nicht das gewünschte Ergebnis lieferte, wurde heftige Kritik und das Verlangen nach mehr Aufgaben geäußert. Aus verständlichen Gründen rief dies nach kurzer Zeit jedoch wieder Kritik hervor - paradoxerweise von den nämlichen Individuen. Ähnlich Widersprüchliches trat verstärkt auf, doch blieb die Stimmung im Durchschnitt gut. Wir begannen in der Jahrgangsstufe elf mit 18 Kursmitgliedern, von denen uns bis heute vier verließen, dafür kamen jedoch drei neue hinzu, also ein - rein statistisch gesehen - gutes Ergebnis.

Unser Lehrer verlor keinmal die Fassung und sah sich äußerst selten gezwungen, arg alberne Störenfriede durch vorübergehende Verbannung zu maßregeln.

Als Ausklang des erfolgreich bestandenen Abiturs steht uns allen noch ein gemeinsames "Abschiedsessen" bevor, an dem hoffentlich alle glücklich teilnehmen.