Geschichten aus dem Laberkurs
Der Aushang vor der Zuweisung der Tutoren zeigte es an: Es gab zwei verschiedene
Tutorkurse Mathematik. Der eine sollte bei Herrn Schleicher, der andere
bei Herrn Janschewski stattfinden. Einige bei uns werden sich sicherlich
Sorgen gemacht haben, ob man sich nun mit Herrn Schleicher herumschlagen
müßte (ich gehörte übrigens auch zu diesen Personen!).
Doch letztendlich hatten wir doch noch etwas Glück, denn unsere Namen
tauchten nicht im Tutorkurs Schleicher auf. Also durften wir uns nun mit
Herrn Janschewski abgeben. Wenigstens kein Neuland, denn einige kannten
"Janosch" noch aus der Mittelstufenzeit (vor allem die Ehemaligen aus der
"c" und diejenigen, die so wahnsinnig waren, im frühen Differenzierungsbereich
Mathe-Aufbau zu wählen).
So wußten wir schon einigermaßen, was auf uns zu kam. Vielleicht
aus diesem Grund wechselte Bastian Przibylla schon recht früh in den
Martin-Kurs, sicher auch eine Art Flucht vor "Wääärner".
Eine ähnliche Flucht hatte Reinhard Sentis bereits hinter sich. Er
wurde am zweiten Tag dem Schleicher zugeordnet. Glück im Unglück,
denn bereits am nächsten Tag konnte er wieder in unseren Tutorkurs
zurückkommen.
Die gute Nachricht kam schon ganz zu Beginn unseres Leistungskurs-Daseins:
Der erste Leistungskurs wurde auf fünf Stunden gekürzt, so daß
wir einmal in der Woche eine Einzelstunde hatten. Dies war gleich doppelt
positiv, denn es fiel nicht nur die eine Stunde weg, sondern meist auch
die andere, da die Einzelstunde meist für Diskussionen und ähnliche
Dinge verschwendet wurde; Unterricht fand in dieser Stunde nur sehr selten
statt.
Von Anfang an kristallisierte sich jedoch noch ein Umstand heraus, der
sich bis zum Ende unserer Oberstufen-Laufbahn nicht ändern sollte:
Die Geschwindigkeitsunterschiede zwischen den Tutorkursen Schleicher und
Janschewski. Wir waren fast immer um einiges hinterher (was Werner natürlich
nur eingestand), was uns aber eigentlich ganz recht war, wenngleich unser
Kurs in der Stufe oft als "LK, gemeint Laberkurs" tituliert wurde. Dafür
wissen wir wenigstens, wie man beim Skiweitsprung am besten die Skier halten
sollte, um mit Hilfe von etwas Wind eine beachtliche Weite zu erreichen.
Ätsch!!! Zudem haben wir den anderen Kursen eine ganze Menge Geschichten
über das Lehrerkollegium voraus. Erwähnt werden sollte hier nur
die Studienzeit von Herrn Janschewski, die Pelzer- und Tills-Anekdoten
sowie zahlreiche Darstellungen seiner Nachbarschaft. So durften wir uns
mindestens zweimal die Geschichte eines Nachbarn anhören, der im besoffenen
Zustand die Haustüre mit einem Geldstück aufschließen wollte
und dabei immer wieder mit dem Kopf gegen die Haustür schlug. Ebenso
die Erzählung über die musikalischen Ständchen in den Nachbarwohnungen,
die Herr Janschewski mit einer recht lauten Aufführung seiner Maria
Callas-CDs rächte. Ganz abgesehen von den Geschichten über seine
Karnevalskostümierungen, zum Beispiel als Steffi Graf (natürlich
im Tennisrock und ohne Bart!). Allein diese Dinge gäben viel Stoff
für diesen Bericht her, doch würde das den Rahmen um einiges
sprengen.
Eine Person hätte wohl mit Sicherheit einen herben Verlust in unserem
Kurs bedeutet: Thorsten Risch. Er führte immer wieder Diskussionen
mit Herrn Janschewski und brachte zu jeder Aufgabe mindestens zwei alternative
Lösungsideen, die man eigens in einem Buch hätte sammeln sollen.
Aber zum einen führten viele dieser Ideen nicht zum Ziel, und zum
anderen benötigte man wesentlich mehr Arbeit, um diese zu Wege zu
verfolgen. Zudem verdanken wir Thorsten eine ganze Menge übelster
Witze, die Herr Janschewski wiederum fast immer mit eindeutig zweideutigen
Witzen beantwortete. Und mittels dieser Witze-Schlachten wurde der Unterricht
zum einen aufgelockert und zum anderen unterdrückt.
Gleichfalls für gute Stimmung sorgten stets Markus und Michael
Bodden (man glaubt es kaum, aber die beiden sind tatsächlich Zwillinge!).
Ihre kleinen Keifereien sorgten stets für mancherlei köstliche
Situation. Viele ihrer Äußerungen ("Mensch, bist Du doof!")
ließen sich auch leicht auf andere Personen übertragen, so zum
Beispiel für ... (setzt an dieser Stelle einfach den Namen einer Person
ein, die Euch für geeignet erscheint!). Doch dazu sollte lieber nichts
weiter gesagt werden ...
Berüchtigt waren anscheinend auch unsere Kursfeten. Insgesamt vier
hatten wir im Laufe unserer Laufbahn, und die nächste ist bereits
für kurz nach dem Abitur anvisiert. Der entsprechende Alkoholgenuß
an diesen Abenden führte meist dazu, daß entsprechende Ausschweifungen
entstanden. Erinnert werden soll hier nur die phantastische Tanzeinlage
á la "Dirty Dancing" von Norbert und Okan.
Recht nett war wohl auch die Referendarszeit von Frau Schnabel in unserem
Kurs. Ihre Unterrichtsreihe über Tuppel, Gauss-Algorithmen und ähnliche
Dinge war ja gut gemeint, allerdings viel hängengeblieben ist dabei
scheinbar nicht. Zumindest hat Frau Schnabel es sicherheitshalber unterlassen,
den von ihr zu diesem Thema gestellten Test wieder an die Übeltäter
zurück zu geben. Sie hat bestimmt ihre Gründe gehabt. Dennoch
ließ sie es sich nicht nehmen, nach der Lehrprobe, die in Mathe etwas
besser verlief als in Chemie, ein komplettes Frühstück für
unseren Kurs auszugeben. Eine nette Geste, Frau Schnabel.
Das "Arbeitstier" im Kurs war stets Anke. Wo immer es etwas zu organisieren
galt, blieb die meiste Arbeit immer an ihr hängen. Denn vorsichtshalber
hatten wir sie stets zur Tutorkurs-Sprecherin gewählt, wobei ihr Dank
für unser Vertrauen von Thorsten meist mit dem Ausruf "Ausziehen!"
unterbrochen wurde. Für ihre Arbeit, die sie sich mit uns gemacht
hat, möchten wir uns hier hezlich bedanken.
Viele Unterbrechungen des Unterrichts verdanken wir auch Okan, der es
sich oft nicht nehmen ließ, unterrichtsfremde Diskussionen zu führen,
worin er oftmals von Anke unterstützt wurde. Die beiden verband dabei
zwei Dinge: Zum einen der Wohnort Erkelenz, und zum anderen die Tatsache,
daß beide zu den meisten Mathe-Stunden zu spät kamen. Wahrscheinlich
war die Erkelenzer Metro mal wieder nicht pünktlich gekommen, eine
Vermutung, die sich spätestens seit unserer Parisfahrt in den Vordergrund
drängte.
Es gäbe noch so viel zu erzählen, doch leider ist der Umfang
des Jahrbuches begrenzt. Zudem soll auf der nächsten Seite schon unser
Bericht von der Studienfahrt beginnen. Also möchte ich hier erst mal
Schluß machen. Ich wünsche allen Mitgliedern unseres Kurses
noch viel Erfolg bei ihrer weiteren Karriereplanung bis hin zum Manager
(ähm, ja, meine ich ernst!). Ich nehme mal an, daß wir uns nicht
aus den Augen verlieren werden, da Treffen unseres Kurses in bestimmten
Abständen geplant sind. Also dürfen wir noch mit Sicherheit erfahren,
ob Thorsten Mathelehrer wird und als Rache die Enkelkinder von Janosch
unterrichten darf, und was so aus den anderen 15 Versagern unseres Kurses
wird. Zudem wünsche ich Herrn Janschewski, daß sein Traum von
einem Lottogewinn mit seinem Freund Tills Wirklichkeit wird. Vielleicht
bleibt er ja dann einigen anderen Schülern als Lehrer erspart, weil
er sich dann wohl lieber irgendwo in der Karibik herumtreiben wird ...
(Eric Horn)
Chaos in Paris - UI Jn war da
Bevor wir uns einen abbrechen, einen total verkorksten Bericht über
unsere Fahrt nach Paris zu schreiben, erst mal vorab: Es war total super!
Nachdem wir frühmorgens bei strömenden Regen in Erkelenz abgefahren
waren, hatte keiner gedacht, daß Paris - die Stadt der sich Liebenden
(und wir liebten uns!) - uns mit strahlenden Sonnenschein empfangen würde.
Aber kaum in Paris angekommen, konnten wir unseren Tatendrang nicht
mehr im Zaum halten: Auf zum Eiffelturm!
Endlich hatten wir alle den Eiffelturm fotografiert, wieder im Rucksack
verstaut und tigerten weiter durch Paris. Doch waren wir wirklich in Paris?
Eine zu heiß gewaschene Freiheitsstatue am Pont de Grenelle ließ
uns doch sehr daran zweifeln.
Faszinierend fanden wir die Unterwelt von Paris - eine gute Sache, die
Metro-Fahrerei, kam man doch sehr schnell von einem Ort zum anderen.
Wo wir gerade von Zeit sprechen: Was manche Leute so alles zählen!
Eine Uhr am Centre Pompidou geht nämlich nicht, wie man vermuten könnte,
vorwärts, sondern zählt die bis zum Jahr 2000 verbleibenden Sekunden
rückwärts.
Centre Pompidou war sowieso irgendwie anders: Auch wenn die Pariser
Bevölkerung für uns Provinzler etwas Besonderes ausstrahlte,
war die Atmosphäre am Centre Pompidou beinahe unheimlich gemütlich
zu nennen. Der Vorplatz des Centre Pompidou wimmelte nur so von Künstlern,
Akrobaten und Musikern, die unter freiem Himmel auftraten. Und natürlich
fehlten auch nicht solche Leute, die gerne zuhörten, zuschauten oder
sich an den Programmen dieser Kleinkünstler beteiligten, so daß
bei vielen Personen künstlerische Fähigkeiten zum Vorschein kamen.
Apropos künstlerische Fähigkeiten: Gleiches konnten einige
von uns auch beweisen, als sie sich auf dem Vorplatz der Notre-Dame in
komische Situationen verwickelt sahen:
Eine tragisch-komische Liebesgeschichte
Wenn es auch ohne Worte ging, aber die Aussagekraft der Darsteller war
einfach überwältigend. Das schöne Fräulein Anke sah
sich zwischen zwei wild entflammten Mannsbildern hin und her gerissen.
Eine durchaus verständliche Situation, handelte es sich doch zum einen
um einen gutaussehenden Fremden und einen überaus coolen und furchtlosen
Thorsten. Von den darstellerischen Leistungen dermaßen beeindruckt
schritten wir nicht einmal ein, als Thorsten seinen Rivalen heimtückisch
ermordete. Doch das hätte er lieber nicht tun sollen; denn wie Frauen
nun mal sind, beseitigen sie alles, was ihr Glück zerstört. (Ordnung
muß schließlich sein, oder wie es so schön heißt:
"Auge um Auge, Zahn um Zahn"). So ging er dahin, unser bedauernswerter
Thorsten. (Wir werden seine [...] Kommentare vermissen!) Und wenn zwei
sich streiten, freut sich bekanntlich der Dritte: Sofort wurde Anke vom
sympathischen Pantomimen getröstet, der sie ganz unbeabsichtigt in
diese Lage gebracht hatte. Doch wer unseren Thorsten kennt: Für einen
wahren Helden geht es immer wieder bergauf. (Oder besser: Unkraut vergeht
nicht.) Zur Ehrenrettung Thorstens müssen wir aber auch einräumen,
daß ohne die von ihm stammenden Kommentare die meiste Zeit des Leistungskurses
um einiges langweiliger gewesen wäre. Gleichwohl entschuldigt dies
nicht seine weiteren Exzesse im Laufe der Studienfahrt. Erinnert sei hier
nur an eine Begebenheit im Schloßpark von Versailles, auf die hier
aber nicht näher eingegangen werden sollte, da diese Darstellung sowieso
vom Zensor entfernt werden würde.
Und da auch wir alle Helden sind, haben wir es uns nicht nehmen lassen,
auch den Eiffelturm zu besteigen. Nun, vielleicht nicht alle, aber doch
einige, auch wenn's ein wenig Mut erforderte. Denn:
Auch Machos haben Angst ("wie sympathisch ...")
Einige von uns trauten sich erst die Stufen des Eiffelturms hinauf,
nachdem sie einige Beruhigungstropfen zu sich genommen hatten. Aber zurück
hatten wir Glück, weil wir den Aufzug nehmen konnten, was zum einen
unserem Mut und zum anderen unseren Füßen entgegen kam.
Den Abschluß der Tutorfahrt haben wir noch mal kräftig gefeiert
und - wie sollte es auch anders sein - natürlich unterm Eiffelturm.
Dort erfüllten wir unserem Oberpleitegeier Janosch seinen Herzenswunsch
- ein Hard Rock Café T-Shirt. Flüssige Nahrung kam natürlich
auch hier nicht zu kurz.
Zum letzten Mal (für manche nicht zum allerletzten Mal, gell?)
benutzten wir die Metro Richtung Jasmin, die uns zu unserem Nachtlager
brachte; doch dort war noch lange nicht alles zu Ende - echt "evil" ...
Natürlich ließen wir keine kulturelle Sehenswürdigkeit
von "A" wie "Aiffelturm" bis "Z" wie "Zacre Coer" in dieser immer lebendigen
Stadt aus. Insgesamt: Paris war überwältigend, aber auch sehr,
sehr anstrengend.
(Anke Vogt, Stefanie Mähler, Okan Cinkilic, Norbert
Windeln, Eric Horn)