Cusanus Gymnasiums Erkelenz
Abi-Jahrbuch 1994
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Tutorkurse

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- Deutsch (Martin)
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- Deutsch (Roeben)
- Mathematik (Schleicher)

 
Die Grundbausteine 
unserer Stufe:

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  einsteigers

 
Grund- und
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- GK Mathematik (Jäger)
- GK Sozialwissenschaften (Exner)
- GK Biologie (Küppers)

 
Berichte und
Gedichte:

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- Der schwere Abschied von 
  Karl-Heinz Weltermann
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  Kreativ muß man sein
- Die Cusanus Big-Band
- Die Astro-AG Dynastie
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Tutorkurs Englisch bei Herrn Klein

Kylie Clifford (Eine australische Invasion)

Eines schönen Tages, als wir so nichtsahnend in der Klasse saßen, begann die australische Invasion - Kylie Clifford kam als Austauschschülerin an unsere Schule. Ihre Kenntnisse der deutschen Sprache waren auf ca. drei Worte beschränkt und ihr australischer Akzent überzeugte viele davon, daß sechs Jahre Schulenglisch absolut für die Katz' gewesen waren. Mit einem bißchen hellseherischer Begabung, Händen und Füßen stellte jedoch bald jeder fest, daß Kylie eine unverbesserliche Optimistin war, die gut gelaunt durchs Leben spazierte.

Bei ihrer Spontaneität konnte es durchaus passieren, daß sie beschloß, nach Paris zu fahren und bereits vierundzwanzig Stunden später eifrig den Eiffelturm knipste. Sie knipste sowieso alles und jeden, so daß sich die Zahl der an uns verschwendeten Filme auf sechsunddreißig bis vierzig beläuft.

Für Feten war Kylie auch immer zu haben. Es konnte daher durchaus vorkommen, daß sie fünf Tage in der Woche nur feierte. Auf ihre schulische Leistung hatte das eigentlich keine Auswirkungen; ob mit oder ohne Schlaf - Kylie malte emsig endlose, neonfarbene Muster in ihr Heft. So manch einer wird beim Zugucken über den Sinn des Lebens oder den unerschöpflichen Farbvorrat ihrer Textmarker nachgegrübelt haben. Des weiteren bevorzugte sie es, dicke englische Schmöker im Unterricht zu lesen, was in einigen zarten Lehrerseelen nicht wieder gutzumachende Schäden angerichtet haben mag.

Während ihres einjährigen Deutschlandaufenthalts (beinahe wäre sie übrigens nach Schweden gegangen, aber ihre Oma hatte Sorgen, daß alle Schweden so unmoralisch wie in Ingmar Bergmann Filmen seien) mußte Kylie nach Vorschrift der Organisation dreimal die Familie wechseln. Dank ihrer unverwüstlichen Natur hatte sie damit jedoch kaum Probleme. Die einzige Unannehmlichkeit, die damit verbunden war, war, daß Kylie meist mit dem Bus nach Erkelenz fahren mußte. Während unsereiner sich jedoch von den Fahrplänen der Busse tyrannisieren läßt, löste Kylie das Problem auf ihre eigene Weise. Trotz gerade erst verheiltem Bänderriß und Beinschiene tat sie, was viele mir bekannte Personen noch nicht einmal mit drei gesunden Beinen in Erwägung ziehen würden - sie joggte von Ort zu Ort.

Wer für australische Spezialitäten schwärmte, kam ebenfalls auf seine Kosten, da Kylie sich auch aufs Backen verstand. Zu Frühstücken in der Schule brachte sie immer einen Kuchen mit, dessen Namen mir entfallen ist, dessen hervorstechendste Eigenschaft es aber ist, daß man statt Mehl Zucker nimmt. Er ist so süß, daß die Zähne des Probierenden von alleine ausfallen. Ihr zweiter Leistungskurs kann ein Liedchen davon singen (oder auf den Zahnlücken pfeifen).

Alles in allem kann man sagen, daß es Kylie gut bei uns gefallen hat. Ich habe sie gefragt, was sie in Australien am meisten vermissen wird - die Gegend, ihre Gastfamilien, ihre deutschen Freunde? Ihre Antwort: "Die Brötchen!"
 

(Maike Bubek)
 

Wien - Der Traum eines jeden Englischschülers

Alles hatte sich schon auf London gefreut, doch leider machte das Kienbaum-Gutachten einen dicken Strich durch unsere Rechnung. Anstelle der normalen Fahrtdauer von 10 Tagen wurden nur 6 Tage zugelassen, und man wäre mit den vorgeschriebenen 500 DM pro Nase in London nie und nimmer ausgekommen. Zudem wäre London ja »viel zu weit entfernt...« (Originalton Dr. Klein), und Frau Hoffmann, die Tutorin des anderen Englischkurses, wollte unbedingt Sacher-Torte "kosten". Aus diesen Gründen standen noch Dresden/Leipzig, Berlin oder Wien zur Debatte, und nach mehreren Abstimmungen hieß es dann: ab nach Wien! Allgemeine Hochstimmung! Durch eine unvorhergesehene Schwangerschaft fiel Frau Hoffmann dann jedoch längerfristig aus, und ein Tutorenwechsel fand statt, bei dem Frau Hoffmann durch Herrn Begrich ersetzt wurde.

Wider jegliches Demokratieverständnis (95% der Schüler stimmten für die Bahn) entschied sich Herr Klein für den Bus als Beförderungsmittel, was sich später in Wien als Vorteil herausstellen sollte. Dieser 4-Sterne-Bus (TV, WC, Bar, Belüftung ...), welcher uns zu Beginn als überaus komfortabel erschien, verlor mit fortschreitender Fahrtdauer einen Stern nach dem anderen. Um Punkt 0 Uhr ertönte aus den hinteren Rängen ein "Happy Birthday" zu Ehren von Daniel K.’s 18. Geburtstag.

Nach einer turbulenten Nacht im tollen Bus bei einer Innentemperatur von ca. 60° Celsius erreichten wir endlich die Randgebiete Wiens. Und schon sank die Stimmung gewaltig, da sich jeder so die ehemalige DDR vorgestellt hatte. Das schlechte Wetter und die blödsinnige McDonald’s Reklame, die sich auf Sprüche wie "Wo kommst Du her?" oder "Na und ..." beschränkte, taten ihr übriges. Zu allem Überfluß kam der Busfahrer auf die glorreiche Idee, uns seine Ortskenntnisse zu demonstrieren, was darauf hinauslief, daß wir in einer engen Einbahnstraße von über 20 Wiener Autos eingekeilt wurden und uns weder vor noch zurück bewegen konnten. Wie durch ein Wunder erreichten wir schließlich das Hotel, und als Herr Dr. Klein uns verkündete, dies sei die berüchtigte "Blaue Donau", fielen viele vom Glauben an die wesentlichen Eckpfeiler menschlicher Zivilisation ab. Schließlich hatte die Frage nach Strom und Wasser absolute Berechtigung.

Nach Zuteilung der Zellen (von ein paar ganz optimistischen auch "Zimmer" genannt) wurde zum ersten Mal die Wiener Altstadt und der Stephansdom unter die Lupe genommen, wobei die erste Amtshandlung im Besuch einer McDonald’s-Filiale bestand. Das Abendessen in einer dem Hotel naheliegenden Kneipe erwies sich als allgemein akzeptabel, und langsam normalisierte sich die Situation.

Am Abend wurde uns dann jedoch klar, daß die "Blaue Donau" wohl mehr ein Stundenhotel als eine normale Unterkunft zu sein schien; die ungewöhnlichen Vorkommnisse, die aus dieser Situation resultierten, wurden von den beiden Tutoren jedoch einfach mit einem souveränen Lächeln bedacht. Diese Gelassenheit zog sich dann auch durch die gesamte Kursfahrt. So blieben wir u.a. von übertriebenem Kulturgenuß verschont, besichtigten jedoch die wichtigsten Sehenswürdigkeiten (wie zum Beispiel Stephansdom, Schloß Belvedere, die Hofburg, Neusiedler See inklusive spannender ungarischer Grenze, Zentralfriedhof, Hundertwasser-Haus, Andy Warhol-Ausstellung, Prater etc.), die Wien und Umgebung zu bieten hatten. Weiterhin positiv zu werten war die Tatsache, daß der kulturelle Teil normalerweise bis maximal 15 Uhr andauerte und der Rest des Tages bis auf wenige Ausnahmen zur freien Verfügung stand. Eine dieser Ausnahmen war zum Beispiel der Besuch des Burgtheaters, in dem das Stück "Alpenglühen" aufgeführt wurde, welches gemischte Gefühle bei uns hervorrief, wobei zu bemerken bleibt, daß der Großteil der Anwesenden die Aufführung zum dringend benötigten "Schlaftanken" nutzte und sich deshalb keine Meinung bilden konnte.

Die übrigen Abende spielten sich entweder im Apostelkeller oder im Hotel ab, da das Wiener Nachtleben längst nicht so erlebnisreich war, wie es sich viele vorgestellt hatten: Die Wiener Discos ließen sehr zu wünschen übrig, und die frühe Sperrstunde gab dem Ganzen den Rest. Trotzdem war jedoch für ausreichend Spaß gesorgt, was auch hauptsächlich dem Verhalten der Tutoren zuzuschreiben war, die für jeden (noch so dummen) Spaß zu haben waren.

Leider verging die Zeit in Wien wie im Fluge, und schon bald saßen wir wieder in unserem berühmt-berüchtigten 4-Sterne-Bus (dafür herzlichen Dank an die Firma Moll) und fuhren gen Heimat.

Allgemein bleibt zu sagen, daß trotz der anfänglichen Bedenken, sich eine Woche Wien anzutun, im Nachhinein kollektive Begeisterung festzustellen war. An dieser Stelle noch einmal herzlichen Dank an die beiden Tutoren, die immer Vorbilder waren, und ohne die diese Kursfahrt bestimmt nicht so unvergeßlich geworden wäre.
 

(Jennifer Begrich, Sami Yahya)