Cusanus Gymnasiums Erkelenz
Abi-Jahrbuch 1994
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Tutorkurse

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- Deutsch (Roeben)
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Die Grundbausteine 
unserer Stufe:

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Berichte und
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- Der schwere Abschied von 
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- Die Cusanus Big-Band
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- Game over
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Tutorkurs Deutsch bei Herrn Martin

Ruf nach Freizeit (Mit Martin nach Berlin)

Bei der Wahl unseres Fahrtenziels stand von Anfang an fest, daß wir als Deutsch-Leistungskurs nach Berlin fahren. Nicht, daß wir das unbedingt so gewollt hätten, doch Herr Martin ließ sich auf keine Diskussion mit uns ein. Die Reaktionen darauf in der Tutorgruppe waren heftigste Kritik am diktatorischen Vorgehen unseres Tutors und ein für einen Schüler üblicher Trotz. Doch nach der Fahrt gibt es wohl keinen, der noch der gleichen Meinung ist wie vorher.

Unser Plan für die Woche war vollgepackt mit kulturellen Höhepunkten, was vor der Fahrt auch nicht gerade dazu beigetragen hat, Berlin als Fahrtziel mehr zu akzeptieren. Schon eineinhalb Stunden nach der Ankunft in Berlin mußten wir bereits zum ersten Theaterstück, was die meisten wohl nur im Halbschlaf verfolgt haben (Es soll aber ganz interessant gewesen sein). Vor allem hatten einige das traumatische Erlebnis auf dem Braunschweiger Bahnhof noch nicht verdrängt, wo sich vor unseren Augen ein Mann unter einen ankommenden Zug warf. Eine Schülerin begleitete dieses Ereignis leider die ganze Fahrt. Die immer wieder auftretenden Alpträume, im Fachjargon Alpha-Schocks genannt, ließen sie nicht in Ruhe, was ihre Mitschüler ausgiebig zu spüren bekamen.

Der Dienstag war ein verhältnismäßig ruhiger Tag. Zunächst stand am Morgen der Besuch des Checkpoint Charlie Museums an, wo verschiedene Ausstellungen über gelungene Fluchtversuche ehemaliger DDR-Bürger zu bewundern waren. Nach diesem hoch interessanten Besuch ging es dann zum Mauerkunstwerk, wo verschiedene Künstler aus aller Welt auf 1.3 km Mauerrest ihr Kunstwerk gemalt oder gesprüht haben. Das alles am Morgen nach eher wenig Schlaf in der Nacht.

Da wären wir bei unserem größten Problem: Da ein Hotel anscheinend zu teuer war, mußten wir mit einem Jugendgästehaus vorlieb nehmen. Diese Einrichtung verschloß zu unser aller Bedauern schon um ein Uhr die Türen, also geradezu die Zeit, in der Berlin erst richtig anfängt zu leben. Zudem herrschte strenges Alkoholverbot im Haus, das aber immer wieder geschickt umgangen werden konnte. (siehe Randereignisse: "Razzia")

Weiter geht es mit dem ruhigen Dienstagnachmittag, an dem lediglich ein 30 km Fußmarsch durch ganz Ostberlin anstand. Dieser war zwar informativ, doch eher strapaziös. Immerhin stand der Abend zur freien Verfügung. Diesen Abend verbrachte der meiste Teil der Gruppe im "Tacheles", einer Ostberliner Kultkneipe.

Der Mittwoch war mit Sicherheit der ergreifendste Tag der Fahrt. Wir besuchten das ehemalige Frauenkonzentrationslager in Ravensbrück. Begleitet von Frau Jäger, einer ehemaligen KZ-Inhaftierten, wurden wir durch das Lager geführt. Trotz vorher gelesener Literatur ging uns der Tag doch sehr nahe. An dem Ort zu stehen, an dem unvorstellbare Grausamkeiten an Menschen verübt wordem waren und dann von einer erstaunlichen alten Frau auf jede Frage eine Antwort zu bekommen, jagte uns ab und zu einen Schauer über den Rücken. Die Rückfahrt war eher still, denn jeder verarbeitete den Tag zunächst für sich.

Am Donnerstag ging es dann zunächst zum Naturkunde-Museum, wo das größte Saurierskelett der Welt ausgestellt ist, und dann zum Völkerkunde-Museum. Wie die ganze Fahrt begleitete uns auch an diesem Tag strahlender Sonnenschein, der uns so richtig motivierte, in die kühlen, dunklen Museen und die überhitzten, stickigen Theater zu gehen. Was sollten wir bei einem solchen Wetter auch mit Freizeit anfangen? Na ja, so wurden wir weiter unermüdlich durch den Terminplan getrieben, der keinen Raum zum entspannen ließ. Abends stand dann wieder ein Theaterstück auf dem Programm.

Nun zum Freitag. Dieser Wochentag beinhaltet im Namen ein  schönes Wort, nämlich "frei". Da der Terminplan auch für diesen Tag gut ausgefüllt war, erinnerten wir Herrn Martin an die Bedeutung des Wörtchens "frei". Und siehe da, unsere Revolte hatte Erfolg. Nach dem Besuch der Freien Berliner Kunstausstellung am Morgen standen uns Nachmittag und Abend zur freien Verfügung. Endlich hatten wir einmal Zeit, ein paar Stunden auf dem Ku’damm zu verbringen, den wir bis dahin nur von seiner U-Bahnstation her kannten. Wir ließen es ruhig angehen, tranken ein paar Bier - aber nicht zu viel, weil in der Nacht noch das obligatorische Gespräch mit Carsten Heinrichs anstand - und entspannten uns ein bißchen. Das war auch bitter nötig, denn der nächste Tag verbarg unvorhergesehene Strapazen.

Es ging alles so schön los mit einem Besuch des Berliner Trödelmarktes. Einige jedoch zogen es vor, im gegenüberliegenden Park auf einer Bank. das in der Nacht Versäumte, nämlich Schlaf, nachzuholen. Weil Carsten noch ein Referat über das Brandenburger Tor schreiben mußte, fuhr er dorthin mit der Auflage, pünktlich am ausgemachten Treffpunkt zu erscheinen. Er war es nicht. Wir fuhren nach einiger Wartezeit zum Zoo, weil wir ihn dort vermuteten. Auch dort war er nicht. Bastian und ich (Robert) wurden zu der eher sinnlosen Aufgabe beordert, den Verlorenen zu suchen (In dieser Millionenstadt!). Wir taten unser bestes, unser Unternehmen blieb jedoch - wie zu erwarten war - ohne Erfolg. Vom Zoo fuhren wir zum Wannsee, um dort unseren nimmermüden Tutor beim Schlafen auf einer Wiese zu erwischen. Als wir am Abend zurückkamen und unser letztes Geld in eine türkische Pizza investiert hatten, trafen wir dann auch wieder auf Carsten. Wir hatten uns schon darauf eingerichtet, einen Tag länger zu bleiben (siehe "Randereignisse").

Die Rückfahrt verlief eher normal, wir sackten vor Erschöpfung in die unbequemen Reichsbahnsitze und schliefen, soweit es das Schnarchen des Sitznachbarn zuließ.
 

Randereignisse

Oranienburger Straße:
Der 17jährige Bastian P. verletzte sich in der Nacht vom 22. auf den 23.4. leicht, indem er einen Baustellenzaun übersah und mit dem Kopf gegen diesen knallte. Ein hilfsbereiter Passant leistete am Unfallort erste Hilfe. Dazu befragt, sagte er nur: "Det is mir ooch schon passiert." Der körperlich unterlegene Retter trug den  "Verletzten" noch ein Stück, wobei er die Gruppe der lachenden Mitschüler mit den Worten rügte: "Wie könnt ihr darüber bloß lachen!"
 

Bitte melde Dich!:
Der Samstag Nachmittag vermißt gemeldete Tarsten Heinrichs aus W. (Name leicht verändert; Nachname stimmt, und beim Vornamen braucht man nur das "T" durch ein "C" zu ersetzen; übrigens: W. bedeutet Wassenberg; jetzt alles klar?) stieß am Abend wieder zu seiner Gruppe. Den ganzen Tag verfolgte ein Suchtrupp seine Spur in brennender Hitze durch Berlin. Diese dramatische Suchaktion verlief zunächst erfolglos. Nach seinem Eintreffen am Abend nahm der Verschollene zu seinem Verschwinden Stellung: "Ja", sagte er und nickte dabei ununterbrochen mit dem Kopf. Dann fragte er, wo wir gewesen seien. Auf unsere Antwort, daß wir am Wannsee gewesen wären, suchte er eine halbe Stunde den betreffenden Ort auf dem Berliner U-Bahnplan und behauptete darauf: "Jah, dahhh war ich auch!" - "Da haben wir dich aber gar nicht gesehen, Tarsten! (siehe oben) Wo warst Du denn am Wannsee?" - "Ja, am Strandhotel." (Leider ist dieses Strandhotel bis heute noch nicht erbaut worden. Wäre aber eine gute Sache. Anmerkung des Autors) Vielleicht ist diese scheinbare Verwirrung darauf zurückzuführen. daß er den ganzen Tag ohne Geld, Essen und Trinken bei tropischer Hitze durch Berlin geirrt ist.
 

Razzia:
Bei einer nächtlichen Durchsuchung des Mädchenzimmers von Ute, Anja, Nicole und Yvonne stellte der Nachtwächter des Jugendgästehauses "Central" ungewöhnliche Geräusche, die auf seltsame Vorgänge schließen ließen, fest. Als er an die Türe klopfte, ging die Türe wie von Geisterhand (Bastian) auf. Als die Türe sich nicht ganz öffnen ließ, erblickte er den ersten Störenfried zusammengekauert hinter der Türe (Bastian). Beim zweiten Blick in das Zimmer entdeckte er einen zweiten Jungen (Robert), der hilflos durch das Zimmer irrte - das blanke Entsetzen im Gesicht geschrieben, weil er vergeblich versucht hatte, sich in einem Spind zu verstecken. Dieses mißlang, da er den 3. Jungen (Christoph) immer weiter in den Schrank hineinquetschte, und deshalb keine Chance hatte, auch noch in den Spind hineinzukommen. Der einzige, der wirklich locker blieb, war Carsten H., der alleine vor dem Tisch saß, welcher mit ca. 25 Zitronenschalen, einem Meer von Salz und einer Wasserflasche, in der man das wirre Spiel der Kohlensäure vermißte, bedeckt war. Dieses geschah mit stetem Kopfnicken und einem immerwährenden Grinsen. Nach einem Verweis der Übeltäter aus dem Zimmer wäre der Nachtwächter beinahe schon wieder gegangen, hätte Robert nicht das Verlangen verspürt, den Rest der Flasche zu späterer Stunde zu verzehren. Mit dem überaus intelligenten Einwand (vielleicht auch ein klein wenig naiv) "Ich nehme noch eben die Wasserflasche mit." machte er den Nachtwächter stutzig. Da ergriff der Wächter sogleich die Flasche, steckte die Nase hinein, roch den Tequila und nahm das Beweisstück an sich. Scheiße!
 

Verliebt:
Suzanne beeindruckte auf dem Ku’damm einen Straßenclown derartig, daß er sie aufforderte, ein neckisches Spielchen mit ihm zu treiben. Die natürlich sofort gewillte Selfkanterin wurde dann auch auf Anhieb die Hauptattraktion dieser großartigen Show. Hunderte von Zuschauern waren von dem Talent der Selfkantmaid begeistert. Nach diesem großen Erfolg fielen sich die beiden Akteure in die Arme und küßten sich hemmungslos. (Bericht burlesk abgeändert!)
 

Á la carte:
Bei einer Kneipentour saßen wir wie folgt zusammen: Herr Martin an einem Kopfende des Tisches, Robert an dem gegenüberliegenden Kopfende. Dazwischen Tarsten, gegenüber Bastian. Herr Martin äußerte den Wunsch, von Tarsten die Karte zu erhalten. Dialog wie folgt: "Carsten, wärest du so freundlich, mir die Karte zu reichen?" - Carsten guckte Herrn Martin verdutzt bzw. verständnislos an, und äußerte sich so: "Häääääää?" Danach verfiel er wieder in seine Melancholie. Dieses wiederholte sich noch zweimal, bis Robert die Initiative ergriff und spontan die Karte dem durstigen Mann (Tuborg) reichte. Da, plötzlich erleuchtete ein Licht über Carstens ungekämmten Haarschopf. Er schien wieder unter uns zu weilen. Dann kam ein Ausspruch, an den wird an diesem Abend nicht mehr zu glauben gewagt hatten:  "Ach so, die Karte...!"
 

(Robert Will)