Cusanus Gymnasiums Erkelenz
Abi-Jahrbuch 1994
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Tutorkurs Mathematik bei Herrn Schleicher

Laßt es uns eruieren ...

Ja, eruiert haben wir zweieinhalb Jahre lang. Und was wir nicht alles eruiert haben. Da war zunächst ein ganz neuer Kurs mit lauter neuen Eruierern - oberflächlich ein wenig prüde, ein wenig langweilig und mit einem Schuß vorgetäuschter Intelligenz.

Jedoch einige Ausnahmen eruierten sich nach einiger Zeit heraus: Markus B. ist wohl mittlerweile zur schillerndsten Figur der Eruierer avanciert. Nicht nur seine »zahlreichen Animositäten und Nickeligkeiten« (Zitat eines anerkannten, lokalen Sportreporters und ehemaligen Cusaners) mit seinem Busenfreund Hans-Dieter S. ließen ihn schnell zum Liebling und Klassenclown aufsteigen. Auch außerhalb des Kurses sorgte er durch immer krasser werdende Aktionen für erhöhtes Auf(s)sehen, was schließlich darin endete, daß er von einem sehr bekannten Stufenidioten zum krassesten Oberprimaner gekürt wurde.

Für Licht und Schatten sorgten auch einige andere Schüler:

  • Lars S., der im Unterricht stets als Stütze einiger Zweierkandidaten galt und diese oft durch sein Wissen aus brenzligen Situationen befreite, selber aber immer nur 3 stand. An dieser Stelle sei ein herzliches Dankeschön an den guten, alten Lars angebracht!

  • Eric H., der es des öfteren vorzog, eine ganze Schulstunde zu spät zu kommen, um die nicht gemachten Hausaufgaben nicht vorzeigen zu müssen.

  • Frank "Schluppe" L., der stets aufmerksam dem Unterricht beiwohnte und durch seine intelligenten Äußerungen die Meßlatte des Unterrichtsniveaus sehr hoch ansetzte.

  • Ingo C., der durch sein bäuerliches Auftreten auf Abneigung seiner Mitschüler traf, und so den Unterricht zur spöttischen und zynischen Lästerei umfunktionierte, an der er sich selbst auch maßgeblich und regelmäßig beteiligte!

Oh ja, gelästert wurde viel - über alles und jeden. Der Unterricht lief oft nur nebenher. Montags diskutierten wir nicht die Funktionsschar fk(x), sondern den zurückliegenden Bundesligaspieltag; freitags den kommenden. Auch mittwochs blieb der Unterhaltungswert nicht aus. Es wurden Wetten abgeschlossen, Fetenberichte abgegeben oder es wurde eine Reise in alte Mittelstufennostalgie unternommen ...

Und dann war da ja auch noch unser Papa-Eruierer Hans-Dieter S.! Zwar hat er keine rote Mütze und keinen Bart, dafür aber ein überaus achtbares Profil in Bauch- und Nasenhöhe, das sich vor einem Vergleich mit dem Prager Moldau-Verlauf nicht zu fürchten braucht. Trocken und korrekt in seiner Art ließ er von Zeit zu Zeit auch mal etwas ironische Bräu sprudeln: "Markus, die Kurve verändert ihr Aussehen. Du tust es ja auch." (Markus B. saß zum ersten Mal mit Glatze im Unterricht). Von der Mathematik fasziniert, vermittelte er gelegentlich auch uns eine überschäumende Begeisterung für das Zahlen- und Variablenspiel. Herrlich seine rechnenden Exzesse, bei denen er leidenschaftlich die Tafel vollschrieb und am Ende das schon erwartete Ergebnis herausbekam. Solche Momente erweckten in Hans-Dieter S. und uns »großartige Gefühle, wie bei einem Blick auf die goldene Stadt Prag«. So sprach er einmal im Glücksrausch nach einer solchen Aufgabe das aus, was wir alle empfanden: "Das ist wie ein Spiel, so richtig schön!"

Auffällig bei Hans-Dieter S., der wegen seinen Haaren auf der Nase im Volksmund nur "Nasenbär" gerufen wird, ist, daß er bei jeder Gelegenheit das kleine lateinische Wörtchen "eruieren" benutzt. Für ihn völlig normal, löst es jedoch bei uns regelmäßig eine Schmunzelsekunde aus. Durch mündliche Überlieferungen unsererseits ist dieses Wörtchen mittlerweile zum festen Wortschatz in nahezu der gesamten Oberprima geworden, obwohl niemand so richtig weiß, was dieses eigentlich bedeuten soll.

In diesem Sinne: Laßt es uns eruieren!  

(Volker Oehmke)
 

 

Prag - Die goldene Stadt

Da es nicht nur bei diesem einen Kurs blieb, sondern auch noch der Physikleistungskurs von Herrn Hündgen, und der Chemieleistungskurs von Herrn Cuber mitfuhren, standen am 18.04.1993, also dem letzten Sonntag Abend der Osterferien 1993, ungefähr 50 Schüler und Schülerinnen am Erkelenzer Hauptbahnhof. Dazu kamen dann allerdings noch eine ganze Horde von Eltern, die sich ja so um ihre Schützlinge sorgten, und Geschwister, die endlich froh waren einmal einen Bruder bzw. eine Schwester weniger zu Hause ertragen zu müssen. Alles zusammen waren ungefähr 150 Menschen an jenem besagten Abend an jener besagten Stelle versammelt, so daß der Bahnhofsvorsteher damit drohte, falls wir nicht bald verschwinden würden, den Bahnhof wegen Überfüllung zu schließen. Um weitere Streitigkeiten zu vermeiden, folgten wir seinen Anweisungen und verließen schließlich um 18.10 Uhr den Bahnhof und mit ihm ein Meer von tausenden von schwenkenden Taschentüchern und rollten gen Osten der goldenen Stadt Prag entgegen.

Schon allein die nächtliche Zugfahrt war einmalig, so daß der Pragaufenthalt in der darauf folgenden Woche nur noch besser werden konnte. Mit selbst gebauten Lautsprechern und einem mitgebrachten Akku wurde der belagerte Waggon mit Musik versorgt, was allerdings schon sehr früh als störend empfunden wurde. Es nützte nichts, man mußte also die Musiklautstärke herunter drehen, so daß nur noch das eigene und ein oder zwei angrenzende Abteile etwas von der Musik mitbekamen. Durch entsprechende Versorgung, ob flüssig oder fest oder in Form von Karten oder anderen Spielen, wurde der Fahrt keinen Moment Zeit gelassen, langweilig zu werden.

So erreichte man dann mehr oder weniger gut gelaunt, je nachdem wie viel oder wenig die Nacht über geschlafen wurde, am Montag morgen gegen 9 Uhr den Dresdener Hauptbahnhof, wo man erst mal eine halbe Stunde Verschnaufpause hatte. Der Rest der Fahrt verlief von dort aus dann nicht so ausgefallen wie die Nacht zu vor, da die meisten doch etwas müde waren. So erreichte man dann am Montag, den 19.04.1993, irgendwann um die Mittagszeit den Prager Bahnhof, von wo aus man mit der U-Bahn quer unter Prag durch zum vorbestellten Hotel fuhr. Wobei man sagen muß, daß es Ansichtssache war, ob man das nun als Hotel bezeichnete oder einfach nur als eine Unterkunft ansah. Da man sowieso mehr in der Prager Innenstadt war, sei es zur Besichtigung der vielen Bauwerke oder einfach nur zu einer der allabendlichen Streifzüge von Wirtshaus zu Wirtshaus, reichte das "Hotel" jedoch vollkommen aus.

Der Montag Nachmittag wurde sofort dazu benutzt, mit der U-Bahn zum Wenzelsplatz zu fahren, um dort einen ersten Eindruck von Prag zu bekommen. Dieser Eindruck wurde während der restlichen Zeit dieser Woche noch mehr verstärkt. Da diese Fahrten ja bekanntlich Studienfahrten heißen und demnach keine Vergnügungstouren sind, standen täglich Besichtigungstouren auf dem Programm, die morgens nach dem Frühstück begannen und bis zum Nachmittag dauern konnten. Die Abende standen dann meistens jedem einzelnen zur freien Verfügung, an denen er tun konnte was er wollte. So wurden dann in dieser einen Woche unzählige Bauwerke und Denkmäler besichtigt, um dem Namen "Studienfahrt" auch alle Ehre zu machen. Zu diesen Bauwerken und Denkmälern zählten unter anderem der Pulverturm, das Prager Metronom, welches ein Sinnbild für den Individualismus des Prager Bürgertums ist, das technische Museum, die Prager Alt- sowie Neustadt und deren Synagogen, die Astronomische Uhr, die Prager Burg mit dem Veitsdom aus dem 14. Jahrhundert, das Goldene Gäßchen, in dessen Hausnummer 22 Franz Kaffka gewohnt hatte, den Vysehrad und die Karlsbrücke, die tagsüber so gut wie zu jeder Zeit sehr belebt ist. Das kommt daher, daß dort viele Künstler und Schausteller ihr Geld mit Darbietungen oder Verkäufen von Kunstwerken verdienen. Um einen Einblick in die Prager Kultur zu erhalten wurde sogar ein Pantomimentheater besucht.

Nachdem die ganze Woche über Schüler und Lehrer mehr oder weniger gemeinsam die Abende in Kneipen verbracht haben, trafen sich am 23.04.1993, dem letzten Abend in Prag, alle drei Tutorkurse gemeinsam in der "Tutorenstammkneipe", um dort in geselliger Atmosphäre und mit einem guten Tropfen Prager Kultur den Abschied zu feiern.

Dann war die Zeit in Prag auch schon wieder vorbei und man machte sich am Samstag, den 24.04.1993, leider schon recht früh auf, um Prag in Richtung Heimat zu verlassen. Nach anfänglicher Hektik rollte der Zug dann mit uns um 9.15 Uhr aus dem Prager Bahnhof und nahm Kurs auf Dresden, wo wir dann in einen Anschlußzug nach Düsseldorf umsteigen sollten. Doch leider wurde daraus nichts, denn an der Grenze hatten wir einen technischen Defekt im elektrischen System und damit eine Stunde Verspätung. Zusätzlich hatten wir noch einen etwas angeheiterten Schmuggler an Bord, der auch ausgerechnet noch in unserem Abteil saß, und ebenfalls Schwierigkeiten machte.

Als dann die Ausweiskontrolle kam, befürchteten wir die Reise von hier aus ohne Herrn Cuber fortsetzen zu müssen. Nachdem der Beamte unsere Ausweise nur mit einem kurzen Blick zur Kenntnis nahm, schaute er bei Herrn Cuber doch etwas genauer hin. Als er dann noch seinen "Verbrecherkarteikasten" hervor holte und dort nachzusehen begann, wo denn wohl dieser merkwürdige Herr Cuber schon mal aufgetaucht sein könnte, wurden wir doch etwas stutzig. Allerdings fand der Beamte in seinem Karteikasten kein passendes Gegenstück, so daß Herr Cuber dann doch noch mit uns nach Deutschland einreisen durfte. In Dresden mußten wir dann, durch die Verspätung gezwungen, einen anderen Interegio nach Düsseldorf nehmen, so daß wir etwas aus dem Zeitplan gerieten.

Wer dachte, er könnte von Dresden bis Düsseldorf schlafen, wurde in Wolfsburg brutal aus seinen Träumen gerissen. Dort stieg nämlich eine dicke Horde St. Pauli Fans in den Zug und machte bis Hannover, wo sie zum, Glück wieder ausstiegen, einen tierischen Radau und hinterließen ein Schlachtfeld, das selbst wir auf der Hinfahrt noch nicht einmal zustande bekommen hatten.

Von da an blieb die Fahrt jedoch ohne weitere Zwischenfälle, so daß wir dann alle gesund und einigermaßen munter am Samstag, den 24.04.1993, um 23:10 Uhr wieder im Erkelenzer Hauptbahnhof ankamen, und unsere Studienfahrt damit beendet war.

(Wim Nienkerke)